Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so richtig, wie ich dieses Buch bewerten soll, weil ich es auf der einen Seite wirklich gerne gelesen habe, auf der anderen Seite aber auch immer wieder dachte, dass mir irgendwas fehlt. Es war für mich definitiv kein schlechtes Buch und ich hatte eine schöne Lesezeit damit, aber so richtig gepackt hat es mich leider auch nicht
Am meisten mochte ich tatsächlich die Geschichte rund um Lime. Die Chats zwischen Anja und Lime haben mir richtig gut gefallen und ich fand es interessant, wie anders ihre Gespräche dort teilweise waren als die Begegnungen zwischen Anja und Finn. Gerade dieser Gegensatz hat für mich ziemlich gut funktioniert. Bei den beiden im echten Leben musste ich durch ihre Wortgefechte öfter mal schmunzeln, während ich bei den Chats eher wissen wollte, wie sich ihre Beziehung weiterentwickelt. Ich glaube, ohne diese Lime Geschichte hätte mir das Buch wahrscheinlich deutlich weniger gut gefallen.
Anja und Finn selbst fand ich als Paar grundsätzlich süßaber ich bin emotional nicht ganz so mit ihnen mitgegangen, wie ich es mir gewünscht hätte. Ihre Dynamik war unterhaltsam, gerade am Anfang, aber irgendwann hatte ich ein bisschen das Gefühl, dass sich vieles im Kreis dreht. Auch einige Entwicklungen waren für mich nicht wirklich überraschend. Bei einer Romance stört mich Vorhersehbarkeit normalerweise nicht besonders, aber hier hätte ich mir an manchen Stellen trotzdem etwas mehr gewünscht
Das Setting mochte ich dafür wirklich gerne. Ein kleines Café in Wien, dazu Herbst und die Konkurrenz mit einem modernen Coffeeshop, das hat schon etwas. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass gerade die herbstliche Atmosphäre noch stärker rüberkommt. Für mich war das eher ein Buch, das im Herbst spielt, als eines, bei dem ich beim Lesen wirklich dieses Herbstgefühl hatte. Auch von Wien hätte ich gerne noch ein bisschen mehr gehabt. Das Café selbst fand ich als Schauplatz deutlich interessanter.
Die Nebenfiguren mochte ich eigentlich ziemlich gerne. Sie haben die Geschichte für mich aufgelockert und teilweise mehr Leben reingebracht. Gleichzeitig hatte ich auch bei den Hauptfiguren öfter das Gefühl, dass ich sie gerne noch etwas besser kennenlernen würde. Gerade bei Anja und Finn hätte ich mir an manchen Stellen mehr Tiefe gewünscht. Es war mir teilweise ein bisschen zu leicht, obwohl es eigentlich genug Momente gegeben hätte, aus denen man emotional noch mehr hätte machen können.
Trotzdem hatte ich beim Lesen eigentlich nie das Bedürfnis, das Buch wegzulegen. Es liest sich schnell und angenehm und gerade die Chatverläufe waren für mich immer wieder ein Grund, noch ein Kapitel weiterzulesen. Auch die Mischung aus Café, Wien, Konkurrenz und Romance hat grundsätzlich einfach Spaß gemacht.
Und genau deshalb sind es am Ende auch 4 Sterne und nicht weniger. Ich hatte wirklich eine gute Zeit mit dem Buch und es gab einiges, was mir gefallen hat. Gleichzeitig fehlt mir dieses Gefühl von Oh mein Gott, ich liebe dieses Buch, das ich bei meinen wirklichen Highlights habe. Dafür war mir manches zu vorhersehbar und emotional hat es mich einfach nicht ganz erreicht.
Also insgesamt: Ich mochte es, aber irgendwas hat mir gefehlt. Und wahrscheinlich ist genau das der Grund, warum es bei mir bei 4 Sternen bleibt.