Hollywood, Ending von John Green ist eines dieser Bücher, bei denen der Titel zunächst nach großer Filmkulisse, Glamour und vielleicht sogar einer Liebesgeschichte klingt und das dann doch sehr viel mehr sein möchte. Green verbindet das Leben in und um Hollywood mit seinen typischen Themen: Erwachsenwerden, Beziehungen, Unsicherheit, Verlust und die Frage, wie man eigentlich herausfindet, welche Geschichte man selbst erzählen möchte.
Dabei möchte ich über die Handlung bewusst kaum etwas verraten. Gerade bei einem Roman wie diesem finde ich es schöner, die Figuren und ihre Beziehungen selbst kennenzulernen, anstatt vorher schon zu wissen, welche Entwicklungen auf sie warten.
Was mich besonders angesprochen hat, ist die Gegensätzlichkeit des Settings. Hollywood steht schließlich für große Geschichten, perfekte Bilder und sorgfältig inszenierte Emotionen. Dahinter stehen aber Menschen, deren eigenes Leben keinem Drehbuch folgt und die genauso wenig wissen, wie ihre Geschichte ausgehen wird, wie jeder andere auch.
John Green schreibt auf eine Art, die sich zunächst leicht und zugänglich anfühlt, unter der Oberfläche aber immer wieder ernstere Gedanken versteckt. Es gibt humorvolle Beobachtungen und Dialoge, gleichzeitig aber auch diese ruhigeren Stellen, bei denen ein scheinbar einfacher Satz plötzlich länger hängen bleibt, als man erwartet hätte.
Überhaupt ist Hollywood, Ending für mich deutlich stärker ein charaktergetriebener Roman als eine Geschichte, die von einem großen Ereignis zum nächsten hetzt. Es geht um Menschen, ihre Beziehungen zueinander und all die Dinge, die sie aussprechen oder eben gerade nicht.
Und genau das muss man mögen. Wer eine rasante Geschichte über die glamouröse Welt Hollywoods erwartet, könnte von der ruhigeren Erzählweise überrascht werden. Das Setting ist zwar wichtig, aber der eigentliche Mittelpunkt sind für mich die Figuren und ihre innere Entwicklung.
Besonders spannend fand ich die Frage, wie sehr wir unser eigenes Leben eigentlich wie eine Geschichte betrachten. Wir suchen nach Zusammenhängen, wollen Entscheidungen im Nachhinein einen Sinn geben und wünschen uns manchmal einen eindeutigen Moment, an dem alles plötzlich verständlich wird.
Aber das echte Leben funktioniert eben nicht wie ein Film. Es gibt nicht immer den perfekten Dialog. Nicht jeder Konflikt wird innerhalb der nächsten Szene gelöst. Und manchmal wissen wir nicht einmal, ob wir gerade mitten in einem neuen Anfang stecken oder etwas endgültig zu Ende geht.
Gerade dieses Unfertige und Unperfekte passt für mich unglaublich gut zu John Greens Art zu erzählen. Seine Figuren müssen nicht immer sympathisch sein und sie treffen auch nicht zwangsläufig die Entscheidungen, die man selbst treffen würde. Dafür fühlen sich ihre Unsicherheiten und Widersprüche menschlich an.
Auch emotional funktioniert das Buch für mich eher auf eine leise Art. Es versucht nicht ständig, möglichst dramatisch zu werden, sondern beschäftigt sich mit Gefühlen, die sich teilweise erst nach und nach entfalten. Manche Momente wirken zunächst klein und bekommen erst später mehr Gewicht.
Das mochte ich sehr.
Gleichzeitig gab es Passagen, in denen mir die Geschichte ein wenig zu sehr in ihren eigenen Gedanken hängen blieb. John Green lässt seine Figuren viel reflektieren und philosophiert über größere Fragen des Lebens. Meistens hat das für mich funktioniert, manchmal hätte ich mir aber etwas mehr Bewegung in der Handlung gewünscht. Trotzdem ist genau diese Nachdenklichkeit natürlich ein großer Teil dessen, was seine Bücher ausmacht.
Hollywood, Ending ist deshalb für mich weniger eine Geschichte über Hollywood als eine Geschichte darüber, was passiert, wenn man hinter die perfekte Kulisse schaut. Über Menschen, die versuchen herauszufinden, wer sie sind, was sie voneinander brauchen und wie man weitermacht, wenn das Leben sich nicht an das Drehbuch hält, das man sich dafür vorgestellt hat.
Der Titel gefällt mir nach dem Lesen deshalb umso mehr. Denn vielleicht geht es gar nicht darum, das perfekte Hollywood Ending zu bekommen. Vielleicht geht es darum, damit klarzukommen, dass das eigene Leben nach dem vermeintlichen Abspann einfach weiterläuft.
Wer John Greens ruhige, nachdenkliche und charakterorientierte Art zu erzählen mag und Geschichten liebt, die zwischen Humor und Melancholie immer wieder größere Fragen über das Leben stellen, dürfte auch hier einiges finden, das hängen bleibt. Für mich ist Hollywood, Ending damit ein emotionaler und nachdenklicher Roman, der nicht von großen Wendungen lebt, sondern von seinen Figuren und den Gedanken, die er einem mitgibt.
Von mir bekommt Hollywood, Ending 3,5 von 5 Sternen.