Nachdem Harlem Shuffle mir als Hörbuch gut gefiel und obwohl ich den zweiten Teil verpasst zu haben scheine, waren Ray Carneys Achtziger in Cool Machine beinahe Pflichtlektüre. Worum gehts?
Ray Carney wirkt gefestigt, denn als arrivierter Geschäftsmann und Familienmensch scheint nur noch wenig an seine zwielichtige Vergangenheit zu erinnern. Doch dass dieses Gebilde im Harlem der 1980er-Jahre noch fragil ist, muss er lernen, als seiner Frau ein Kredit verweigert wird. Es scheint nur eine Lösung möglich, nämlich ein Coup, mit dem er anders an Geld gelangt dumm nur, dass er damit in ein Raubkunst-Wespennest sticht
Colson Whiteheads Ray Carney ist zwar seit den 60ern, aus denen ich ihn kannte, gereift, aber sein früheres Ich steckt ihm weiter in den Knochen und bricht sich Bahn, wenn es nicht anders geht. Das macht ihn einerseits zu einem authentischen, aber auch widersprüchlichen Protagonisten. Seine Kämpfe mit sich selbst, vor allem aber den Umständen sind durchaus vergnüglich zu lesen, wenngleich man ihn manchmal packen und schütteln will. So verwebt er eine Krimi- bzw. Gangstergeschichte mit Tiefe (DAS große Thema ist Gerechtigkeit), was nicht einfach ist, ihm aber gut gelingt, und garniert das auch noch mit einer Art (verkorkster) Liebeserklärung an New York. Die Anlage der Geschichte ermöglicht dem Autor, Gesellschaftskritik zu äußern (es geht um afrikanische Raubkunst, aber auch schlicht die immer noch von Rassismus geprägten Umstände im Amerika der 80er) und man staunt, wie wenig lange das eigentlich erst her ist. Der Schreibstil liest sich flüssig, ist aber alles andere als trivial. Diese Kombination hat Seltenheitswert und vielleicht weil ich an die Achtziger (im Gegensatz zu den 60ern) noch Erinnerungen habe, gefiel mir Cool Machine noch besser als Harlem Shuffle, weshalb es keine andere Bewertung geben kann als 5 Sterne.