Ich war sehr neugierig auf "Nightshade" und hatte dreiviertel des Buches ein tolles Leseerlebnis. Leider war ich vom Ende derart enttäuscht, weswegen es insgesamt betrachtet für mich in die Kategorie "gut für zwischendurch (mehr aber auch nicht)" fällt.
Highlight des Buches war in meinen Augen der Schreibstil. Es ließ sich locker und flüssig lesen, mit Witz, Sarkasmus und Spannung, sodass ich problemlos am Ball bleiben konnte und immer weiterlesen wollte.
Das düstere Setting der Sorrowsong University vermittelte Dark Academia Vibes und versprühten einen Zauber, der mich ganz für sich eingenommen hat. Wenngleich das Potential des Schulsettings in Schottland und besonders deren vier Häuser nicht vollständig ausgeschöpft wurde, da diesen im Verlauf keinerlei weitere Beachtung geschenkt wurde.
Die Protagonistin Ophelia ist sehr grumpy, unnahbar und sieht stets das schlechte im Leben. Gleichzeitig ist sie auch sehr naiv und ab und an anstrengend. Sie trifft auf Alex und man merkt schnell, dass jeder für sich ein Päckchen zu schleppen hat. Die Dynamik zwischen beiden hat mir unglaublich gut gefallen, die gegenseitigen Sticheleien und Wortgefechte waren toll und den Schlagabtausch zwischen beiden habe ich einfach nur geliebt und mich das ein oder andere Mal weggeschmissen vor Lachen. Allerdings muss ich sagen, dass bei sämtlichen Charakteren auch unzählige Klischees bedient wurden, was ich nicht so schön fand.
Zwischendrin war ich immer mal wieder verwirrt, da wir einiges an Handlung gar nicht zu lesen bekamen. Vieles geschah im Hintergrund und wurde nur mit ein, zwei Sätzen ins aktuelle Geschehen eingeflochten, weswegen ich hin und wieder das Gefühl hatte, etwas verpasst oder überlesen zu haben. Bemerkenswert waren dafür die vielen Wiederholungen, die es nicht gebraucht hätte. Hier wäre es sinnvoller gewesen, die verpasste, im Hintergrund abgewickelte Handlung zu erzählen.
Die Suche nach dem Stalker hat Spannung reingebracht und ließ mich miträtseln. Ich habe mir eine hochkomplexe Fallstruktur samt Auflösung ausgemalt, denn so offensichtlich, wie der Handlungsverlauf den Anschein machte, kann es ja schließlich nicht sein. Dachte ich mir. Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich damit viel zu viel unterstelle, denn die Stalker-Auflösung war mir viel zu konstruiert und wurde viel zu schnell abgehandelt. Das hatte so viel Potential und wurde gefühlt auf einer Seite abgewickelt und ließ mehr Fragen offen als beantwortet wurden. Es wirkte nicht zu Ende gedacht und arg übers Knie gebrochen.
Was mich zu den vielen Logiklücken bringt. Ich habe noch kein Buch gelesen, was derart viele Logiklücken aufweist, wo ich mich einfach fragen musste, ob da überhaupt mal jemand drüber gelesen hat. Oder reicht es aus, dass das Buch mit Spice aufwartet, weshalb dafür die Logik hintenanstehen kann? Ich fand das jedenfalls sehr schade, da gerade dabei so viel hätte rausgeholt werden können. Vordergründig störte mich das gar nicht mal, da ich durch die gut gemachten Wortgefechte darüber hinwegsehen konnte, aber je mehr ich drüber nachdenke, desto fragwürdiger erscheint es mir.
Ich habe das Buch total gern gelesen, es war unterhaltsam und hat einfach Spaß gemacht. Und dann kam das Ende. Ich kanns nicht anders sagen: Das Ende war echt schlecht. Als wäre zum Schluss aufgekommen, dass noch ein zweiter Teil her muss, wird unnötiges und künstlich herbeigeführtes Drama genutzt, um auf ziemlich schlechte Art und Weise eine Fortsetzung rauszuleihern. Das Ende war viel zu gehetzt und viel zu sehr übers Knie gebrochen. Zumal ich es absolut nicht mag, wenn das Drama durch konstruierte Missverständnisse und Nicht-Kommunikation künstlich aufgebauscht wird.
Ein runder Abschluss hätte der Geschichte besser getan. Dann wäre das Buch vermutlich ein kleines Highlight für mich geworden. So kamen aber auch die ganzen Punkte zu tragen, über die ich ansonsten hinweggesehen hätte, weswegen unterm Strich die Enttäuschung über das schlechte und übereilte Ende überwiegt. Hoffentlich macht Band 2 das wieder wett.