Thelonious Monk Ellison ist Schriftsteller aus Überzeugung, allerdings finden seine anspruchsvollen Bücher wenig Beachtung, während stereotype Ghetto-Romane sich großer Beliebtheit erfreuen und ein Vermögen einbringen.
Als sein neuester Roman abgelehnt wird, während eine andere Autorin mit einem Gossenroman einen Millionenerfolg hat, schreibt Monk aus Wut unter einem Pseudonym daher selbst solch einen provokanten, klischeeüberladenen Roman mit dem Titel Fuck.
Niemals hätte er wirklich mit so einem überwältigenden Erfolg gerechnet, er bekommt ein immenses Honorar und verkauft die Filmrechte für Millionen. Doch während er neben seinem Doppelleben als Schriftsteller auch den Tod seiner Schwester, das Coming-out seines Bruders und die fortschreitende Demenz seiner Mutter verkraften muss, gerät sein Leben immer mehr außer Kontrolle. Als sein Roman Fuck für einen Literaturpreis vorgeschlagen wird, bei der er selbst Jurymitglied unter seinem echten Namen ist, spitzt sich die Lage zu
Meine Lektorin rief meinen Agenten mit der aufregenden Neuigkeit an, Fuck würde wegen des großen Interesses früher herauskommen. Und selbst dann, als ich wusste, ich würde das Buch im März zu sehen bekommen, hatte ich nicht erwartet, im Januar einen gepolsterten, an Thelonious Ellison adressierten Umschlag zu öffnen und darin eine gebundene Druckfahne von Fuck zu finden und die Bitte, es für den Book Award in Betracht zu ziehen.
Dilemma: Ich weigerte mich zuzugeben, dass ich, Thelonious Ellison, ebenfalls Stagg R. Leigh war, der Autor von Fuck. Doch hier war das Buch. Ich konnte mich nicht selbst disqualifizieren, ohne mein Geheimnis zu verraten.
Lösung: Ignorieren. Wer würde schon diesem Roman einen Preis geben?
Ausradiert basiert auf einer brillanten Grundidee, der Plot ist originell. Percival Everett beleuchtet mit seiner Parodie, wie weit man für den eigenen Erfolg gehen würde bzw. inwieweit man sich selbst treu bleiben sollte.
Ich mag Percical Everetts Art zu schreiben sehr, sein Roman James hatte mich sehr begeistert.
Ausradiert ist damit allerdings nicht zu vergleichen, zu unterschiedlich sind die Inhalte. Hier haben wir eine kluge, bissige und böse Satire auf den Literaturbetrieb mit jeder Menge Kritik an Klassismus und Rassismus - und vor allem geht es um die Frage, wer erzählen darf und wie.
So sehr mich das Konzept von Ausradiert begeistert, war der Roman dann doch einigermaßen anstrengend zu lesen; es erfordert viel Aufmerksamkeit, um die Tiefe zu erfassen.
Kein Buch für zwischendurch, aber ich wünsche Percival Everett, dass er für diesen Roman, der bereits aus dem Jahr 2001 stammt und nun erst dank der Verfilmung von American Fiction (2023) Beachtung fand, viel Erfolg für Ausradiert.
Vielen Dank an den Hanser Verlag und an NetGalley für dieses Rezensionsexemplar!