Die Geschichte von Linda hat mich von Anfang an interessiert. Dieses Gefühl, eigentlich ein gutes und erfülltes Leben zu haben und trotzdem nicht genau sagen zu können, was einem fehlt, konnte ich sehr gut nachvollziehen. Dieses innere Hin und Her zwischen Was will ich eigentlich? Was fehlt mir? Was vermisse ich? Und warum bin ich überhaupt unzufrieden? fand ich sehr glaubwürdig und spannend.Gleichzeitig ist der Schreibstil für mich recht komplex. Coelho verbindet die eigentliche Geschichte immer wieder mit ausführlichen Gedanken und Betrachtungen. Die spirituellen und esoterischen Elemente haben mich dabei durchaus neugierig gemacht. Sie passen für mich zu Lindas Suche nach sich selbst und geben der Geschichte eine zusätzliche Ebene. Mir waren diese Gedanken und Betrachtungen stellenweise allerdings einfach zu viele und zu ausführlich, weshalb ich oft aus dem Erzählfluss geriet.Interessant fand ich außerdem, dass hier ein Mann versucht, die Gedanken- und Gefühlswelt einer Frau zu erzählen. Dabei habe ich mich durchaus in Lindas innerer Zerrissenheit wiedergefunden, ihre Art, mit ihren Sehnsüchten umzugehen, fühlte sich für mich allerdings nicht immer so an, wie ich selbst als Frau damit umgehen würde. Teilweise hatte ich eher das Gefühl, eine Vorstellung davon zu lesen, wie ein Mann weibliches Begehren und weibliche Unzufriedenheit betrachtet. Gerade das fand ich spannend, weil es mich immer wieder darüber nachdenken ließ, wie unterschiedlich Frauen ihre Sehnsüchte und inneren Konflikte erleben können.Am Ende bleibt für mich vor allem eine Geschichte, die mich immer wieder neugierig gemacht hat. Linda als Hauptfigur und ihre innere Zerrissenheit fand ich interessant und nachvollziehbar - und gerade die Frage, wonach sie eigentlich sucht und was sie am Ende daraus macht, hat mich weiterlesen lassen.