June kommt für ihr Studium nach New York und steht direkt vor dem wohl größten Problem der Stadt: eine bezahlbare Wohnung zu finden. Also muss eine kreative Lösung her und die findet sie auf einer House-Sitting-Plattform. Kurz darauf sitzt June tatsächlich in einer luxuriösen Wohnung und hat nebenbei die Aufgabe, sich um Kater Romeo zu kümmern. Mit dessen Besitzer Nick soll sie lediglich regelmäßige Updates über den Kater austauschen. Mehr Kontakt ist eigentlich nicht vorgesehen, denn Nick möchte bewusst anonym bleiben. Doch June wäre nicht June, wenn ihre Nachrichten nicht irgendwann weit über schlichte Katzen-Updates hinausgehen würden. Aus kleinen Nachrichten werden längere Gespräche, aus Gesprächen nächtliche Telefonate und aus einer zunächst eher ungewöhnlichen Bekanntschaft entwickelt sich langsam etwas, womit wohl keiner der beiden gerechnet hat und das während June weiterhin keine Ahnung hat, wer Nick eigentlich wirklich ist.
"The Cat-Sitting Disaster" von Nellie Weisz war für mich so ein richtig schönes Wohlfühlbuch für gemütliche Herbsttage und gleichzeitig eines, bei dem ich mich ziemlich schnell in die Geschichte und ihre Charaktere verliebt habe.
Die Grundidee fand ich schon richtig toll: House-Sitting, eine luxuriöse Wohnung in New York, ein geheimnisvoller Wohnungsbesitzer und natürlich ein Kater, der seine Dosenöffner und Kuschelbeauftragte offensichtlich komplett im Griff hat. Was will man mehr?
Und ganz ehrlich: Romeo ist für mich ganz klar eines der Highlights des Buches. Dieses kleine, eigenwillige, grumpy Fellbündel muss man einfach lieben. Ich meine, mit Katzen bekommt man mich sowieso ziemlich schnell, aber Romeo hat mein Herz wirklich im Sturm erobert. Besonders schön fand ich auch die Verbindung zwischen Nick und seinem Kater. Man merkt einfach, wie wichtig Romeo für ihn ist, und ich mochte es sehr, dass diese Beziehung nicht nur irgendwie nebenbei existiert, sondern tatsächlich ein wichtiger Teil von Nick ist. Ein kleiner Herzens-Kater, der ganz genau weiß, wie er seine Menschen um die Pfote wickelt.
Aber natürlich geht es hier nicht nur um Katzen, sondern vor allem um June und Nick und die beiden mochte ich wirklich unglaublich gerne. Beide sind einfach so grundsympathische Charaktere. Keine perfekten Figuren, sondern einfach zwei gute Seelen, die ihre eigenen Unsicherheiten und Päckchen mitbringen und trotzdem unglaublich herzlich miteinander und ihren Mitmenschen umgehen.
Besonders gut gefallen hat mir auch ihre Liebesgeschichte. Es ist schon irgendwie verrückt, wie lange die beiden eigentlich nur über das Telefon miteinander verbunden sind. Ihr erstes richtiges Treffen findet erst ziemlich spät statt und trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass dadurch etwas von der emotionalen Verbindung verloren geht. Im Gegenteil: Die nächtlichen Telefonate, die Nachrichten und die Gespräche haben dafür gesorgt, dass man die beiden wirklich dabei beobachten konnte, wie sie sich langsam kennenlernen und Gefühle füreinander entwickeln.
Und genau das hat für mich erstaunlich authentisch funktioniert. Es fühlte sich nicht so an, als würden sie sich nur deshalb ineinander verlieben, weil die Handlung das eben braucht. Sie lernen sich über Gespräche kennen, erzählen sich Dinge, hören einander zu und werden nach und nach zu einem wichtigen Teil im Leben des anderen. Ich habe mich beim Lesen definitiv gemeinsam mit June in Nick verliebt.
Neben der Romance gibt die Handlung aber noch weit mehr her. Es gibt romantische und sehr süße Momente, witzige Situationen, Freundschaften, aber eben auch ernstere und tiefgründigere Themen. Besonders schön fand ich, dass Body Positivity, Unsicherheiten sowie Selbstliebe und Selbstakzeptanz ihren Platz bekommen. Auch Junes Panikattacken und ihre traumatischen Erfahrungen werden thematisiert und geben ihrer Figur noch einmal eine andere Tiefe.
Bei Junes Vergangenheit hätte ich mir am Ende allerdings noch ein kleines bisschen mehr gewünscht. Gerade weil dieses Thema eine so wichtige Rolle für sie spielt, hätte ich es schön gefunden, wenn hier noch etwas ausführlicher gezeigt worden wäre, wie sie damit weiter umgeht - beispielsweise durch ein Gespräch mit ihren Eltern, therapeutische Unterstützung oder einfach einen etwas konkreteren Schritt in Richtung Aufarbeitung. So hatte ich am Ende ein wenig das Gefühl, dass dieser Teil nicht ganz so rund abgeschlossen wurde, wie ich es mir gewünscht hätte.
Ein weiterer Pluspunkt war für mich der moderne und witzige Schreibstil. Der Humor hat für mich richtig gut funktioniert, weil er sich nicht aufgesetzt angefühlt hat. Gerade die kleinen Nachrichten und Dialoge hatten einen schönen natürlichen Witz und ich musste beim Lesen immer wieder schmunzeln. Dadurch lässt sich das Buch einfach wunderbar weglesen.
Fazit
"The Cat-Sitting Disaster" von Nellie Weisz hat mich vor allem mit seinen Charakteren, der besonderen Liebesgeschichte und natürlich Romeo überzeugt. Es ist süß, witzig, romantisch und gleichzeitig nicht oberflächlich. Für mich ein richtig schönes Cozy-Herbstbuch und definitiv eines meiner kleinen Highlights für diese Jahreszeit.