Martin Suter ist ein Meister des eleganten Unbehagens. Seine Romane spielen gern in gepflegten Milieus, in denen hinter polierten Oberflächen moralische Abgründe lauern, und er erzählt davon mit einer Leichtigkeit, die man nie mit Harmlosigkeit verwechseln sollte. Auch "Wut und Liebe" folgt diesem bewährten Muster.Noah ist Maler, talentiert, aber erfolglos, und als seine Freundin Camilla ihn verlässt, weil ihr die gemeinsame Zukunft zu brotlos erscheint, steht er vor den Trümmern seines Lebensentwurfs. Da tritt eine wohlhabende Witwe in sein Leben und macht ihm ein Angebot, das ebenso verlockend wie verwerflich ist. Aus dieser Konstellation entwickelt Suter eine Geschichte über Geld und Gefühl, über die Käuflichkeit von Prinzipien und die Frage, wie weit man für die Liebe zu gehen bereit ist. Das liest sich, wie man es von ihm kennt: flüssig, pointiert, mit trockenem Humor und jenem Hauch von Ironie, der seine Figuren nie ganz ernst und doch nie lächerlich erscheinen lässt.Was mir fehlte, war die Fallhöhe früherer Romane. Wo Bücher wie "Small World" oder "Die dunkle Seite des Mondes" eine echte Beunruhigung hinterließen, bleibt "Wut und Liebe" eher ein gut gemachtes Gedankenspiel. Die Figuren wirken mitunter wie Versuchsanordnungen, die Wendungen gefällig, und die titelgebenden großen Gefühle bleiben erstaunlich temperiert. Ein kurzweiliger, kluger Roman also, der gut unterhält, aber nicht an Suters stärkste Werke heranreicht. Für einen verregneten Sonntag dennoch eine ausgesprochen angenehme Gesellschaft.