Eine starke Idee und ein tolles Setting, aber deutlich zu wenig Spannung für einen Thriller.
Ein einsames Haus am Ende einer verwinkelten Seitengasse im Pariser Stadtviertel Montmartre: Pleite und nur mit einem einzigen Koffer in der Hand steht Jess vor der Tür ihres Bruders, der versprochen hat, sie für ein paar Wochen bei sich wohnen zu lassen. Doch sie findet seine Wohnung leer vor - es scheint, als habe er sie überstürzt verlassen. Die Nachbarn machen keinen Hehl daraus, dass Fremde in diesem Haus nicht willkommen sind. Je länger ihr Bruder verschwunden bleibt, desto mehr fühlt Jess sich beobachtet in dem alten Gebäude mit seinen geheimen Durchgängen und vielen verschlossenen Türen. Immer unerbittlicher wächst in ihr der Verdacht, dass dieser Ort ein schreckliches Geheimnis verbirgt. Und auch unter den Nachbarn suchen sich lang begrabene Feindseligkeiten ihren gefährlichen Weg ans Licht. Dann macht Jess eine unfassbare Entdeckung. Und die Situation im Haus eskaliert ...Jess braucht dringend einen Neuanfang. Nachdem sie vor ihrem übergriffigen Chef fliehen muss, nimmt sie das Angebot ihres Halbbruders Ben dankbar an, ein paar Wochen in seiner Wohnung in Paris zu leben. Doch als sie ankommt, ist Ben spurlos verschwunden. Die Wohnung wirkt hastig verlassen, die Nachbarn sind auffallend unfreundlich und das alte Gebäude in Montmartre scheint voller Geheimnisse zu stecken. Während Jess versucht herauszufinden, was mit ihrem Bruder passiert ist, wird schnell klar, dass in diesem Haus jeder etwas zu verbergen hat.¿ spannende Ausgangsidee mit verschwundenem Bruder in einem mysteriösen Haus¿ viele Perspektivwechsel zwischen den Bewohnern¿ düster-klaustrophobische Atmosphäre im Pariser Altbau¿ sehr langsamer Aufbau und die Spannung kommt erst im letzten Viertel¿ Finale mit Twist, der endlich Tempo reinbringtDer Start funktioniert gut durch den flüssigen Schreibstil und die bedrückende Atmosphäre. Die leere Wohnung, die seltsamen Nachbarn und das Gefühl, ständig beobachtet zu werden, sorgen für eine interessante, unheimliche Stimmung. Das Problem ist nur, dass dies leider ewig aufgebaut wird, ohne dass wirklich etwas passiert. Jess läuft durch das Haus, durchsucht Wohnungen, spricht mit Leuten, stolpert über Hinweise und kommt trotzdem gefühlt kaum voran. Dazu kommen viele Perspektivwechsel und Kapitel, die mit Cliffhangern enden, die sich später aber als komplett überdramatisiert herausstellen. Für einen Thriller passiert erstaunlich lange erstaunlich wenig.Abendrot von Lucy Foley hat eine starke Idee und ein tolles Setting, aber deutlich zu wenig Spannung für einen Thriller. Mit etwa 100 Seiten weniger wäre das Ganze vermutlich deutlich packender gewesen.