Vis ist eine Waise mit Vergangenheit, die er zu verhüllen versucht, sicher, dass sein Leben sonst verwirkt wäre. Mit Mühe und Not hat er sich bisher retten können, seinen eigenen Willen abzutreten, doch er weiß nicht, wie lange ihm das noch gelingen wird.
Da trifft er auf Ulciscor Telimus, der ihn adoptiert. Aber nur, wenn Vis eine Aufgabe für Ulciscor lösen kann, wird er dem Schicksal vielleicht entkommen können, das sonst auf ihn warten würde
Ich hatte viel über dieses Buch gehört und es mir schon vor einer Weile gekauft. Normalerweise bin ich skeptisch, wenn ein Roman zu sehr gelobt wird, was sicher bereits dem einen oder anderen aufgefallen ist. Hier allerdings hörte ich auf Stimmen, die ich selbst schätze und auf deren Rat ich in der Regel höre. Aber es gab noch mehr Stimmen:
Als erstes muss ich ein ganz deutliches Nein aussprechen zu solchen, die The Will of the Many als Jugendroman beschreiben. Sicher, wir haben hier ein Academia-Setting, aber gleichzeitig auch jede Menge Gewalt und Mord und Totschlag. Und spätestens nach dem Anschlag beim Festival sollte für jeden klar sein, dass dieser Roman keinem jungen Teenager in die Hand gedrückt werden sollte. Tausende Tote, zu Hackfleisch zerrissen nein, das kam auch nicht bei Harry Potter vor. Ich fange gar nicht mit der ausgeweideten Leiche im Labyrinth an oder dem Leichenberg, den Vis und Aequa später finden. Zuviel Beschreibung, zu blutig. Ich würde dieses Buch keinem Kind unter 16 oder 17 in die Hand drücken, und selbst da hätte ich noch leichte Bedenken.
Was ich öfter hörte war das Stöhnen über Vis selbst, dass er ein nerviger Hauptcharakter sei. Dem kann ich nicht zustimmen. Für mich ist Vis ein 17-jähriger, der eine schwere Zeit hinter sich hat und mit dem auskommen musste, was er eben konnte. Sein Hintergrund als Prinz macht sein Wissen und auch seine kriegerische Ausbildung klar. Dass er ein Aggressionsproblem hat ist nachvollziehbar nach dem, was er erleben musste zudem erinnere ich mich noch sehr gut daran, wie die Jungs drauf waren, als ich 17 war. Da war Aggression, vor allem verbale, der Standard, nicht die Ausnahme. Vis ist auch nicht in allem begabt, es gibt Rückschläge, er verletzt sich (und das ziemlich oft). Dass er andere lesen kann, ergibt sich aus den drei Jahren, die er auf der Flucht und dann im Waisenhaus gewesen ist. Ehrlich, mir wären 10 Viss lieber als mich nochmal mit einer Violet zu quälen.
Die Welt ist bunt und reich. Islington tat meines Erachtens etwas cleveres als er die Gesellschaft in der Republik beschreibt, sodass man sich als Leser sofort an das römische Reich erinnert fühlt. Dadurch erweckt er von vorn herein Bilder in den Köpfen seiner Leser. Man braucht nicht so viele Beschreibungen, denn jeder hat wenigstens einen Sandalen-Film gesehen (ich ein paar mehr, vor allem die alten Monumentalschinken).
Das Magiesystem des Willens ist interessant und mir auf diese Art noch nicht untergekommen. Ich fand das Konzept schlüssig und passend zu der Gesellschaft, die ja bereits von sich aus eine Pyramidenform angenommen hatte. Ganz klar wurde es mir nicht, da Vis Willen ja ablehnt, aber ich konnte mir eine ungefähre Vorstellung machen. Zudem wird vermutlich im zweiten Band näher auf diese Magie eingegangen werden, da Vis am Ende ja seinen Abscheu beiseiteschaffelt. Diese zweite Magie, die für den Anschlag in der Arena verwendet wird, klingt wild und ungezügelt. Und auch davon hätte ich gern mehr. Ich hatte übrigens nicht den Eindruck, dass dabei ebenfalls Willen eingesetzt wurde. Mal sehen, ob ich recht habe
Alles in allem kann ich mich nur den lobenden Stimmen anschließen. Die Handlung ist dicht und flüssig, die Figuren interessant, die Geschichte spannend und undurchsichtig. Ich konnte dieses Buch kaum aus der Hand legen und habe den zweiten Teil bereits begonnen zu lesen.