Vierzehn Tage in einer romantischen Lodge in den Rocky Mountains, so lautete der Plan. Doch dann findet Christa sich plötzlich in einer kleinen Holzhütte irgendwo in den Bergen wieder, umgeben von Fremden. Ihr Freund Kiernan ist in einem Blizzard verloren gegangen, so wie sie beinahe ebenfalls. Der Rest der Reisegesellschaft hat sie gefunden, ehe sie erfrieren konnte.
Die Situation ist belastend für Christa. Und sie wird noch schlimmer, als am nächsten Morgen der Kopf des Reiseleiters an einem Baum hängt und nur sein Kopf
Ich muss sagen, die Atmosphäre in diesem Buch ist hervorragend beschrieben und packt den Leser, dass man den Roman kaum aus der Hand legen kann. Man meint, in dieser winzigen Hütte mit diesen völlig Fremden eingeschlossen zu sein, kaum Nahrung, ein Mörder irgendwo unterwegs, der einen nach dem anderen auslöscht. Das Szenario ist so dicht, dass man meint, kaum Atmen zu können.
Die Figuren werden aus Christas Sicht geschildert, und nur aus der ihren. Man befindet sich als Leser in ihrem Kopf und erlebt den Schrecken durch ihre Augen und spürt ihn durch ihre Emotionen. Dies ist hervorragend gelöst von der Autorin. Davon kann sich so mancher Autor eine dicke Scheibe abschneiden.
Menschen, die in extremen Situation über sich hinauswachsen sind nichts neues, weder im echten Leben noch in der Literatur. Aber selten wird dieser Stoff so hervorragend erzählt wie in diesem Roman. Insofern auch hier ein dickes Lob.
Was den Schlächter, wie Christa den Mörder nennt, angeht Ich schätze, ich habe zu viele Splatterfilme in meinem Leben gesehen und zu viele Szenarien ala 10-kleine-Wasauchimmermanjetztsagendarf. Mir war recht früh klar, wer hinter den Morden steckte, auch wenn es einen sehr kurzen Moment gab, in dem ich zweifelte. Doch dieser schmolz sehr schnell dahin bei weiteren Beschreibungen.
Aber abgesehen davon habe ich mich allein durch die Charakterstudien und der dichten Atmosphäre sehr gut unterhalten gefühlt und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Der Plot ist durchdacht und wird eisern durchgezogen, auch wenn man als Leser noch so viel Mitleid mit den Protagonisten hat. Die Autorin wusste sehr genau, was sie wollte und wie sie ans Ziel kommen würde. Das ist Souveränität und Können.
Alles in allem bleibt ein wirklich hervorragend (ja, ich weiß, ich wiederhole mich) geschriebener Roman, der vor allem durch seine Atmosphäre und den Charakteren lebt. Ein Meisterwerk seines Genres.