Aus Mangel an Alternativen habe ich mich kurzfristig während meines Sommerurlaubs dazu entschieden, dieses Buch zu lesen. In der Hoffnung, einen gut recherchierten historischen Roman in den Händen zu halten, ließ ich mich auf diese Geschichte ein; wohl wissend, dass es die bekannte Autorin Astrid Fritz schwer haben dürfte, innerhalb von 278 Seiten einen fundierten Roman zustande zu bringen. Und so war dem dann auch...
Die mit ihren 30 Jahren ja fast schon zum alten Eisen zählende Serafina bricht mit ihrer bewegten Vergangenheit in Konstanz und beginnt in Freiburg ein neues Leben. Im Dienst an ihren Nächsten und in freiwilliger Armut lebt sie nun als Laienschwester ohne Klausur, macht mit ihren Mitschwestern Haus- und Krankenbesuche und begleitet Sterbende auf ihrem letzten Weg. So stelle ich mir die Anfänge der ambulanten Pflegedienste vor; von daher nicht uninteressant.
Als Serafina eines Morgens nach der Nachtwache bei einer bettlägerigen Greisin zurück ins Kloster eilt, stößt sie auf eine Traube Schaulustiger. Grund des Auflaufs ist ein junger Mann, der sich erhängt hat und auf dessen Stirn ein Aschenkreuz als Zeichen der Buße prangt. Wer den Freitod wählt, hat kein Anrecht auf ein standesgemäßes Begräbnis und so wird der Bursche vom Abdecker auf dem Schindanger verscharrt. Selbst die Familie des Toten gibt sich mit dem scheinbar selbst gewählten Ableben zufrieden; nicht so Serafina, denn sie beginnt eigenmächtig Ermittlungen anzustellen und steckt ihre Nase in so manche Angelegenheit, die gern unter dem Mantel des Schweigens verdeckt geblieben wäre...
Der Roman an sich war nicht unspannend, jedoch geschah alles wie in einem Zeitraffer, so dass kaum Zeit für tiefergehende Entwicklungen blieb. Als Leser bekam man die Fakten und Erkenntnisse alle Nase lang wie Brocken hingeworfen; fast nach dem Motto: Friss oder stirb. Das schmälerte die Lesefreude erheblich. Zudem fand ich den Schreibstil anstrengend, da ich kein Freund langer Schachtelsätze bin. Die Ausdrucksweise lässt sich mit plump recht gut beschreiben und auch die Handlung an sich dümpelte eher im seichten Gewässer vor sich hin.
Serafina hatte als Hauptfigur leider auch nicht meine Sympathie; ich fand sie zu dreist, vorlaut und leichtsinnig. Ihr eigenmächtiges Handeln passte meines Erachtens nach nicht in die damalige Zeit und ihre Wirkung auf die Männerwelt wurde viel zu sehr thematisiert.
Da ich das Buch dennoch bis zum Ende gelesen habe und die Thematik an sich nicht uninteressant fand, vergebe ich 3 Sterne.