Aria versucht, sich als Opernsängerin ihren Traum vom Erfolg zu erfüllen, während Geldsorgen und die Schatten ihrer Vergangenheit ihr das Leben schwer machen. Da kommt das Angebot einer Europa-Tournee wie gerufen, wäre da nicht ihr Gesangspartner: Icaro Palladino, ihr ehemaliger bester Freund und inzwischen ihr größter Feind. Schließlich ist es sein Vater, der dafür verantwortlich ist, dass Arias Vater einst wegen Mordes im Gefängnis landete und Aria mit ihrer Familie alles verlor und untertauchen musste. Die Abneigung zwischen Aria und Icaro scheint also mehr als verständlich. Doch schon beim Wiedersehen wird deutlich, dass zwischen den beiden noch lange nicht alles verloren ist. Die Chemie stimmt, die Funken sprühen und spätestens auf der Bühne lässt sich die Anziehung kaum noch leugnen. Aber während sich die beiden wieder näherkommen, sind die Geheimnisse der Vergangenheit längst nicht vergessen und plötzlich scheint Aria in mehr Gefahr zu schweben, als ihr lieb ist.
Ich bin super in "Sinister Symphony" gestartet, was nicht zuletzt am tollen Schreibstil lag. Marina Neumeier schreibt angenehm flüssig, emotional und anschaulich, sodass ich schnell in die Geschichte gefunden habe. Gerade die Atmosphäre rund um die Oper, die gemeinsamen Auftritte und die unterschwellige Spannung zwischen den Figuren konnte sie für mich richtig gut vermitteln. Die Anziehung zwischen Aria und Icaro war dabei schön spürbar, ohne dass die Liebesgeschichte die übrigen Handlungsstränge komplett in den Hintergrund drängt.
Besonders begeistert hat mich die Welt der Oper. Ich fand es unglaublich spannend, einmal in diesen Bereich einzutauchen und einen Einblick in das Leben hinter den Kulissen zu bekommen. Oper hat ja oft den Ruf, eher etwas für ein älteres Publikum zu sein, aber Marina Neumeier zeigt hier wunderbar, dass das absolut nicht sein muss. Sie verbindet die klassische Kunst mit einer modernen Geschichte, emotionalen Konflikten und jeder Menge Spannung. Das fand ich wirklich toll umgesetzt!
Dazu kommen die vielen Settingwechsel innerhalb der Europatournee. Die unterschiedlichen Städte und Länder bringen ordentlich Dynamik in die Geschichte und haben jeweils ihren ganz eigenen Flair und ihre eigene Atmosphäre. Dadurch hatte ich beim Lesen immer wieder das Gefühl, gemeinsam mit Aria und Icaro unterwegs zu sein.
Ein weiteres Highlight waren für mich definitiv die Charaktere.
Aria ist eine Protagonistin, die ich schnell ins Herz geschlossen habe. Sie kämpft nicht nur mit ihrer schwierigen Vergangenheit und ihren finanziellen Sorgen, sondern auch mit tief sitzenden Unsicherheiten bezüglich ihres Aussehens. Besonders die Erziehung und die verletzenden Worte ihrer Mutter haben deutliche Spuren bei ihr hinterlassen. Umso schöner fand ich es, ihre Reise zu mehr Selbstliebe und Selbstakzeptanz mitzuerleben. Icaro begegnet ihr mit einer Wertschätzung, die sie so offenbar lange nicht erfahren hat. Er zeigt ihr, dass sie gut ist, wie sie ist, und hilft ihr dabei, das nach und nach selbst zu erkennen. Ihre Entwicklung hat mir wirklich gut gefallen!
Gleichzeitig ist Aria trotz ihrer Unsicherheiten eine unglaublich herzliche, loyale und liebenswerte Person. Sie ist zwar manchmal zurückhaltend und zweifelt an sich selbst, kämpft aber unermüdlich für ihre Leidenschaft, ihren Gesang und ihren Traum vom Erfolg.
Icaro wiederum hat mich positiv überrascht, denn hinter seinem ersten Eindruck steckt so viel mehr, als man zunächst vermuten würde. Er ist eben nicht der typische arrogante Macho oder selbstverliebte Frauenheld, sondern ein sensibler, tiefgründiger Mensch, der für die Menschen einsteht, die ihm wichtig sind. Er beschützt sie, kämpft für sie und hat einen ausgeprägten Sinn für Gerechtigkeit. Gleichzeitig trägt auch er Ängste und emotionale Belastungen mit sich herum, die ihn stark beeinflussen. Ich fand es richtig schön, wie verletzlich er dargestellt wird. Gerade dadurch wird deutlich, dass auch Männer Schwäche zeigen dürfen und nicht immer stark sein müssen. Seine Entwicklung hat mir ebenfalls sehr gefallen, auch wenn ich mir gewünscht hätte, dass er seine Probleme noch etwas intensiver aufarbeitet.
Zusammen sind Aria und Icaro einfach toll! Sie tun einander gut, geben sich Halt und helfen sich dabei, ihre jeweiligen Baustellen anzugehen. Dabei geht es nicht darum, dass einer den anderen rettet, sondern vielmehr darum, gemeinsam zu wachsen und sich gegenseitig dabei zu unterstützen, sich selbst anzunehmen. Ihre Beziehung hat mir deshalb wirklich gut gefallen und war für mich emotional sehr schön zu verfolgen.
Neben der Liebesgeschichte sorgt der Suspense-Anteil für ordentlich Spannung. Die ungeklärten Umstände rund um den Mord, für den Arias Vater verurteilt wurde, die Geheimnisse der Vergangenheit und die Bedrohung, der Aria plötzlich ausgesetzt ist, haben mich immer wieder rätseln lassen. Ich wollte unbedingt wissen, was damals wirklich passiert ist und wer hinter den Drohungen steckt. Vor allem im letzten Drittel spitzen sich die Ereignisse immer weiter zu und die Spannung erreicht ihren Höhepunkt.
Allerdings muss ich auch sagen, dass mir die Geschichte gegen Ende etwas zu viel wurde. Die Ereignisse, die Enthüllungen und die Aufklärung der Vergangenheit waren mir teilweise zu abgedreht und nicht mehr ganz realistisch. Dadurch konnte ich nicht alles so richtig nachvollziehen, und auch die Auflösung fühlte sich für mich nicht vollständig rund an. Gerade rundum Icaros Vater, seine Beziehungen und seine Machenschaften sind für mich wichtige Fragen oder vielmehr Konsequenzen offen geblieben.
Auch bei den emotionalen Konflikten hätte ich gerne noch etwas mehr Tiefe gehabt. Besonders bei Aria und ihrer Mutter fehlte mir zum Ende hin ein wirklich intensives, klärendes Gespräch. Und auch Icaros psychische Belastungen hätten für mich noch mehr Raum bekommen dürfen. Eine intensivere Auseinandersetzung damit, z.B. in einer Therapie, hätte seine Entwicklung meiner Meinung nach zusätzlich gestärkt.
Fazit
Insgesamt hat mir "Sinister Symphony" von Marina Neumeier aber wirklich gut gefallen! Die besondere Opernwelt, die abwechslungsreichen Schauplätze, die spannende Mischung aus Romance und Suspense und vor allem Aria und Icaro konnten mich überzeugen. Besonders ihre individuellen Entwicklungen und die Art, wie sie einander stärken und helfen, haben die Geschichte für mich ausgemacht. Auch wenn mir das Ende etwas zu überladen und die Auflösung nicht ganz stimmig war, hatte ich eine tolle Lesezeit und wurde gut unterhalten.