In Ostseehölle ermittelt Kriminalhauptkommissarin Pia Korittki in einem Fall, der sie beruflich als auch privat an ihre Grenze bringt. Das Buch wurde von der deutschen Autorin Eva Almstädt geschrieben und ist 2026 als eBook und Taschenbuch im Lübbe Belletristik Verlag (Bastei Lübbe) erschienen. Ostseehölle ist der einundzwanzigste Band der Pia Korittki Reihe.
Der einundzwanzigste Fall für Pia, ist ein Kriminalfall, der mich positiv überrascht hat, weil er sogar mich alten Hasen in die Irre führen konnte. Von Anfang an konnte ich mir nicht vorstellen, dass Eva nach zwanzig Büchern von ihrem Täter Typus abweichen wird, trotzdem hatte ich im Laufe der Geschichte immer wieder Zweifel. Ja, am Ende bleibt sie ihrem Täter Typus dann doch treu, führt ihre Leser auf dem Weg zum großen Showdown aber etliche Male ordentlich in die Irre. Wer ist hier Täter und wer ist hier Opfer? Das war die Frage, die ich mir, während dem Lesen wohl am meisten gestellt habe, den in Ostseehölle gab es mindestens genauso viele Täter wie es Opfer gab und so gut wie jeder von ihnen hatte ein glaubhaftes Motiv. Wer dabei nicht den Überblick verliert, vor dem ziehe ich nicht nur meinen imaginären Hut, der hat meiner Meinung nach auch einen überragenden Orientierungssinn. Eva hat die unterschiedlichen Motive nämlich auf so geniale Art in Pias Ermittlungen einfließen lassen, dass mein Orientierungssinn sich irgendwann komplett verabschiedet hat.
Mit Ostseehölle ist Eva Almstädt ein fast perfekter Krimi gelungen. Auch wenn die Spannung nach dem fesselnden Prolog wieder gesunken ist und die Geschichte für meinen Geschmack ein paar Kapitel lang eher schleppend vorangekommen ist. Hat es Eva trotzdem erneut geschafft eine Geschichte zu schreiben, die auf Anhieb meine Neugierde wecken konnte. Zum Ende vom ersten Drittel kommt die Geschichte dann auch wieder in Fahrt und die Spannung steigt von da an stetig an, bis sie am Ende im großen Showdown gipfelt. Getragen wird die Spannung dabei von Pias Ermittlungsarbeit, die so fesselnd war, dass ich das Buch am liebsten keine Sekunde aus der Hand gelegt hätte. Am Ende bekommt die Spannung dann aber einen Dämpfer verpasst. Die finale Auflösung des Kriminalfalls hätte ich gerne live miterlebt, leider hat sich Eva dagegen entschieden. Zwar bekommt der Leser Antworten auf alle wichtigen Fragen, aber die Art wie Eva sie in die Geschichte eingearbeitet hat war mir zu passiv.
Der Klappentext war dieses Mal definitiv ein Kritikpunkt für mich. Mir erschließt sich nicht warum der Klappentext absichtlich spoilert, denn mir kann keiner erzählen, dass die Erwähnung der Übernahme des Falls durch Marten und seine Kollegen vom LKA kein Spoiler ist. In der Theorie hätte dieser Moment ein Plot Twist sein können, der die Spannung weiter vorangetrieben hätte. In der Praxis funktioniert das Ganze aber nicht, weil ich dank dem Klappentext ja bereist weiß, dass der Fall vom LKA übernommen wird. Das hat für mich nicht nur die Spannung gedämpft, sondern bei mir auch für Erwartungen gesorgt, die die Geschichte nicht erfüllen konnte.
Neben dem Kriminalfall lebt die Pia Korittki Reihe auch immer von Pias Privatleben. In Ostseehölle kam mir Pias Privatleben aber ein bisschen zu kurz. Dieses Empfinden wurde noch von dem Konflikt zwischen Pia und Marten verstärkt, der sich durch die gesamte Geschichte zieht. Der Konflikt wird am Ende vollständig aufgeklärt, was ich einerseits positiv fand, weil es mich definitiv gestört hätte, wenn Eva erneut mehrere Bücher für die Lösung gebraucht hätte, anderseits konnte das für mich aber nicht die negative Stimmung, die sich durch Pias Beziehung wie ein roter Faden gezogen hat aufwiegen.
Für mich als Fan der ersten Stunde ist Eva Almstädts Schreibstil etwas ganz Besonderes, weil er für mich immer wieder aufs Neue eine Atmosphäre kreiert, die mir nicht nur vertraut ist, sondern mir auch das Gefühl gibt nach Hause zu kommen. Evas Schreibstil lebt von einer Wortwahl, die immer perfekt zum Genre passt. Ihre Beschreibungen sind so detailliert, dass sie bei mir auf Anhieb ein Kopfkino erzeugen, dass jedem guten Krimi-Film problemlos, das Wasser reichen kann. Ich lieb es, wenn ich der Hauptfigur beim Ermitteln über die imaginäre Schulter schauen darf und Eva gelingt diese Illusion mit einer Mühelosigkeit, die ihresgleichen sucht.
Fazit
Ein vielschichtiger Krimi, den ich trotz seiner kleineren Makel am liebsten keine Sekunde aus der Hand gelegt hätte.