Gut gemeint ist leider nicht immer auch gut gemacht.
Inhaltlich setzt das Buch bei einem wichtigen und sinnvollen Ansatz an: Männer sprechen andere Männer an und versuchen, für Sexismus und Gleichstellung zu sensibilisieren. Gerade zu Beginn gelingt es auch, eine Brücke zu schlagen. Etwa mit dem Hinweis, dass viele Männer mangels eigener Erfahrung den Alltag von Frauen oft gar nicht nachvollziehen können. Das ist zugänglich formuliert und wirkt zunächst überzeugend.Im weiteren Verlauf verliert das Buch für mich jedoch DEUTLICH an Qualität. Zwar werden immer wieder Studien und Zahlen angeführt, um strukturelle Probleme zu belegen, doch diese bleiben häufig isoliert stehen. Statt sie systematisch einzuordnen, folgen ausführliche Erfahrungsberichte aus Workshops der Autoren, die eher anekdotisch bleiben und stellenweise wie Eigenwerbung wirken. Der klare Bezug zur Forschung fehlt dabei oft und einige wissenschaftliche Einordnungen erscheinen verkürzt oder nicht sauber dargestellt. Teilweise werden auch Thesen formuliert, ohne sie ausreichend zu belegen, was ich bei einem Sachbuch problematisch finde.Kritisch sehe ich zudem die starke Typologisierung von Männern in Kategorien wie "Alpha", "Sexist", "verunsicherter Mann" oder "Der Wolf im Feministenpelz¿ (wtf!?). Diese Einteilungen wirken konstruiert und wenig differenziert. Anstatt Verständnis zu fördern, besteht eher die Gefahr, neue Schubladen zu schaffen. Gerade im Kontext eines sensiblen Themas wie Sexismus wäre ein stärkerer Bezug zur aktuellen Forschung und eine differenziertere Darstellung sinnvoller gewesen.Auch der Ton verändert sich im Verlauf. Aus dem anfänglich einladenden Zugang wird zunehmend eine belehrende Perspektive. Wenn etwa Nachfragen nach Belegen (in den Workshops) eher als problematische Haltung der Teilnehmenden interpretiert werden, statt als legitimes Interesse, wirkt das wenig offen für echten Diskurs. Hinzu kommen zahlreiche inhaltliche Wiederholungen, die das Buch stellenweise unnötig in die Länge ziehen.Insgesamt entsteht so eher der Eindruck eines erfahrungsbasierten Plädoyers als eines fundierten Sachbuchs. Für Leser:innen ohne Vorkenntnisse mag es als Einstieg funktionieren, zumal sich das Buch flüssig lesen lässt. Wer jedoch eine differenzierte, wissenschaftlich sauber fundierte Auseinandersetzung erwartet, dürfte hier eher enttäuscht werden. Ich selbst habe es letztlich nur beendet, weil es unsere Buchclub-Lektüre war.