Seit über 70 Jahren bringt die Astoria Menschen in ferne Länder und ist somit das älteste seetüchtige Kreuzfahrtschiff der Welt. Einst ein schwedisches Schiff, wurde es nach einer Kollision mit dem Luxusschiff Andrea Doria an die DDR verkauft und unter dem Namen "Völkerfreundschaft" für Urlaubsfahrten der DDR-Bürger eingesetzt. Der Geschichte dieses Schiffs widmet sich Kati Naumann in ihrem Roman "Fernwehland".Doch wie erzählt man die Geschichte eines Schiffs ohne sich in drögen technischen Daten zu verlieren? Kati Naumann löst das ganz geschickt, in dem sie die Schifffahrtsgeschichte mit dem Schicksal einzelner Menschen verwebt. Und so gibt es zum einen eine Rahmenhandlung: Henri und Simone, ein älteres Paar, erfüllen sich einen Traum: Einmal mit der Astoria fahren. Beide waren einst Angestellte auf der "Völkerfreundschaft" und haben sich dort auch kennengelernt. Auf dem Schiff lernen beide die ältere Schwedin Frida kennen, die ebenfalls mit dem Schiff verbunden ist, und die junge Elli, die nicht ganz zufällig die Nähe der drei älteren Menschen sucht.In Rückblicken erfahren wir die Geschichten von Henri, Simone und Frida. Wobei vor allem Henris Geschichte hängen bleibt und zum Spannungsbogen der Handlung beiträgt. Henris Geschichte beginnt mit der seines Vaters Erwin in den späten 1930er Jahren. Erwin muss, nachdem sein Vater verunglückt ist, bei den Großeltern wohnen. Seine geliebte Mutter sieht er selten, weil sie auf einem Ausflugsdampfer auf der Elbe kellnern muss. Erwin versucht in ihren Pausen immer wieder am Ufer zu sein, um kostbare Zeit mit ihr zu verbringen. Seine Liebe zur See wird am Elbufer geweckt. Stück für Stück erfahren wir, wie die Familie den Krieg übersteht und das Leben in der DDR beginnt. Erwins Traum zur See zu fahren zerplatzt, dafür scheint dieser Traum für seinen Sohn Henri in Erfüllung zu gehen. Zunächst einmal habe ich großen Respekt vor der gründlichen Recherchearbeit der Autorin. Die Geschichte der Astoria ist durchaus interessant und wir erfahren im Roman natürlich auch einiges über die Geschichte der DDR. Auch den Schreibstil von Kati Naumann mochte ich sehr. Sie schreibt sehr atmosphärisch und bildlich und die Charaktere sind sehr echt. Auch wie sie historische Fakten mit Unterhaltung mischt ist gelungen. Trotzdem war "Fernwehland" nicht so ganz meine Geschichte. Am Ende war das Thema wahrscheinlich nicht ganz meines und es ging mir phasenweise zu viel um das Schiff und wie was umgebaut worden ist.Richtig ans Herz gingen mir eigentlich nur die Geschichten von Erwin und Henri. Die anderen Schicksale kamen mir vor wie Beiwerk. Und gerade die Handlung auf dem Schiff und die Auflösung der ganzen Schicksale und Verbindungen am Ende haben mich irgendwie an den immer gleichen Handlungsstrang vom Traumschiff erinnert. Ein gut recherchierten historischer Roman, die Geschichte war nicht ganz mein Fall.