Die Liebe trägt keine Gummistiefel von Alexandra Zöbeli ist Band zwei der Lakeland Love-Reihe. Auch wer den Auftakt der Reihe noch nicht gelesen hat, wird mühelos in den zweiten Band hineinfinden. Alle anderen dürfen sich schon mal auf ein Wiedersehen mit Tom, Poppy, Harriet und ihrer Familie freuen, wenn auch nur als Nebenfiguren.
Das Cover macht auf den ersten Blick deutlich, dass es sich hier um einen absoluten Feeling-Good-Roman handelt. Vor einem romantischen Cottage inmitten einer Blütenpracht sitzt ein hübscher Boarder-Collie mit einem gelben Gummistiefel im Maul unter einem strahlend blauen Himmel. Alles in allem wirkt es auf beinahe kitschige Art paradisisch und passt hervorragend zum cosy Inhalt des Buches.
Aufgrund gesundheitlicher Sorgen stellt Investmentbankerin Tess plötzlich ihr ganzes Leben in Frage. Eine Wanderung auf dem idyllischen Pennine Way soll ihr bei der Suche nach einem neuen Lebensplan helfen. Tess muss zwar feststellen, dass wandern nicht ihr Ding ist, trifft dabei aber unverhofft auf den sympathischen Gregg und findet sich plötzlich auf dem Bauernhof seiner Nachbarin Fran wieder.
Alexandra Zöbeli versteht es das Setting so zu beschreiben, dass man sich beim Lesen beinahe dorthin versetzt fühlt und auch der Gefühlsaufruhr, allen voran von Tess kommt gelungen zur Geltung. Dabei ist das Buch so flüssig geschrieben, dass es sich wunderbar locker-leicht liest. Über den Ausgang des Liebesromans muss man sich sicher keine Illusionen machen. Trotzdem plätschert die Handlung nicht nur seicht dahin, sondern bekommt mit den unterschiedlichen Existenzängsten von Tess und Fran durchaus eine gewisse Dynamik. Herausfordernde Themen wie Traumata und Ängste, Leben mit Down-Syndrom, die Sinn-Frage im Leben, Alternative Heilmethoden und Schwierigkeiten Alleinerziehender werden zwar nicht explizit in den Mittelpunkt gestellt, spielen aber mehr oder minder intensiv in die Handlung rein.
Trotz ihrer misslichen Situation hochschwanger und vom Lebensgefährten betrogen und verlassen bietet Tierärztin Fran der gestrandeten Wanderin Tess ein Dach über dem Kopf. Obwohl die beiden Frauen ihre bisherigen Leben grundverschieden verbracht haben, sind sie einander sofort sympathisch. Ohne zu ahnen, wie sehr sie noch auf Tess Hilfe angewiesen ist, bringt Fran ihr das Leben auf dem Land näher. Gregg ist mit seiner hilfsbereiten, freundlichen und verantwortungsvollen Art unheimlich sympathisch. Er kümmert sich um die Menschen und Tiere um ihn herum, ist dabei nach Meinung seiner Schwester Harriet allerdings ein kleiner Kontrollfreak. Gerade der Zusammenhalt und die Nähe zu seiner Familie ist Gregg ausgesprochen wichtig. Die Nähe zu Tess sucht er definitiv nicht nur, um sein ausbrecherisches Alpaka wieder einzusammeln. Mit der Protagonistin Tess hatte ich zugegebenermaßen einen eher schwierigen Start. Obwohl die Autorin hier eigene Erfahrungen einfließen lässt, finde ich Tess Handeln im Großen und Ganzen ziemlich überzogen. Ja, sie hat eine traumatische Zeit hinter sich und sicher hat auch jeder das Recht auf eine Phase von Selbstmitleid oder darauf den eigenen Lebensweg in Frage zu stellen, dennoch steigert sich Tess meiner Meinung nach ziemlich in ihre Ängste hinein so sehr, dass diese für sie bereits Realität sind. Ihre Entwicklung, ihre Hilfsbereitschaft und ihr unermüdlicher Einsatz in völlig fremden Gefilden gefallen mir jedoch ausgesprochen gut. Zwar ist sie stets bereit andere zu unterstützen und mit großer Hartnäckigkeit das Beste zu erreichen, sie selbst ist jedoch keineswegs bereit Hilfe anzunehmen und hält ihre Mitmenschen immer ein wenig auf Abstand. Vor allem bei Gregg erweist sich dies aber als ausgesprochen schwieriges Unterfangen, denn ihre Gefühle machen ihr einen absoluten Strich durch die Rechnung.
Insgesamt bietet Die Liebe trägt Gummistiefel aus der Lakeland-Love-Reihe ein unterhaltsames Lesevergnügen. Insbesondere Freunde romantischer Liebesromanen im ländlichen Setting kommen hier voll auf ihre Kosten.