Gute Unterhaltung, wenn auch der bisher schwächste Krimi der Reihe
Mit "Das Dorf der acht Gräber" ist dies bereits mein dritter Ausflug in die Welt des Kosuke Kindaichi, jenes zerzausten, stotternden und so wunderbar unscheinbaren Detektivs, der in der japanischen Kriminalliteratur längst Kultstatus genießt. Und auch diesmal entführt Yokomizo seine Leser in ein abgelegenes Dorf, das von Legenden, Aberglauben und alten Verbrechen gezeichnet ist: Acht Samurai sollen hier einst ermordet worden sein, und ihr Fluch scheint bis in die Gegenwart zu reichen.Erzählt wird aus der Sicht eines jungen Mannes, der unverhofft in das Dorf gerufen wird, um ein Erbe anzutreten, und sich bald inmitten einer Serie rätselhafter Todesfälle wiederfindet. Das hat zweifellos seinen Reiz. Yokomizo spielt virtuos mit den Elementen des Schauerromans, mit Höhlenlabyrinthen, düsteren Familiengeheimnissen und einer Dorfgemeinschaft, die zwischen Misstrauen und Hysterie schwankt. Die Atmosphäre ist dicht, beinahe gotisch, und als Zeitdokument des ländlichen Nachkriegsjapans ist das Buch ohnehin faszinierend.Allerdings ist es für mich bislang der schwächste Band der Reihe. Kindaichi selbst bleibt über weite Strecken auffallend im Hintergrund, und gerade sein eigenwilliger Charme fehlt mir hier. Der Plot verliert sich zuweilen in abenteuerlichen Episoden und einer etwas bemühten Liebesgeschichte, die das klassische Rätsel eher verwässern als bereichern. Wer die strenge Eleganz der "Honjin-Morde" schätzt, wird hier weniger Puzzle und mehr Schauermär finden. Ein unterhaltsamer, stimmungsvoller Kriminalroman ist es dennoch, und mein Interesse an der Reihe bleibt ungebrochen.