Kitsch ist gut, damit habe ich mich angefreundet, aber Kitsch mit reichen, erfolgreichen Männern hängt mir schon aus dem Hals heraus!
Wenn dein Leben in Trümmern liegt und du Konkurs melden musst, um für ziemlich lange Zeit in roten Zahlen unterzugehen, tja, da kann nur noch ein reicher Mann dich retten. Also Ärmel hochkrempeln, vor einen reichen Mann auf die Knie gehen und den Mund weit öffnen. Aaaaaaah.Mir wird schlecht von solchen Geschichten und die Autorin ist hier nicht anders. Ein reicher Bruder, der sie bei sich aufnimmt und dann natürlich eine Liebesgeschichte mit einem Star, der genauso im Bargeld schwimmt. Oh ja, wie im wirklichen Leben: Geht man Bankrott, findet man schon einen heißen, reichen Lover. Mir passiert das ständig.Dabei fand ich den Anfang echt gut. Lilli versucht, ihren Traum zu verwirklichen und wird gleich darauf mit einem Roundhousekick vom Leben bestraft. Sie verliert nicht nur ihre Backstube, sie verliert ihre ganze Identität und die Not zwingt sie dazu, sich mit ihrem Bruder in Verbindung zu setzen, den sie aus den Augen verloren hat.Das hat eine Stärke, das hatte mich gleich am Anfang im Griff! Als sie mit ihrem Bruder geredet hat, da habe ich den Knoten genauso im Hals gespürt. Der Bruder glaubt, sie will ihn um Geld betteln, und als sie ihm widerspricht, war ich platt! Wahnsinn, dachte ich mir. Das wird doch keine Reichengeschichte, sondern sie wird sich daraus irgendwie selbst hinausboxen. Tja - ich habe mich geirrt. Total geirrt!Die Autorin macht es sich einfacher und booom, der Bruder ist reich. Penthousereich! Er wohnt in einem Penthouse mit Blick über Wien. Und so einer soll seine Halbschwester aufnehmen, mit dem er kein Kontakt mehr hat?Schon mal über die Reichen und Schönen gelesen? Nicht in einem verdammten Buch, sondern im Internet? Die würden für einen Groschen ihre Oma verkaufen und für zwei Groschen gleich ihre Seele mit. So sind Reiche! Sie sind keine herrlichen Weltenretter wie in diesem Buch, sondern der Abschaum, der die Welt für Profit zerstört!Aber Lilli habe ich gemocht, also wollte ich dem Buch eine Chance geben, bis der Radiostar auftaucht, der attraktive Typ mit der goldenen Stimme und der goldenen Geldbörse. Ab da wurde das Buch richtig kitschig und Lilli ging in dem Kitsch unter.Wäre der Bruder nicht reich, hätte er kein Penthouse, sondern würde er in einer Wohnung mit überhöhter Miete wohnen und ihr kein Zimmer, sondern bloß ein Sofa anbieten können, wäre das Buch interessanter. Wäre der Lover nicht gleich ein Radiostar mit dem Charisma eines Gottes, hätte ich sicherlich auch das Flimmern zwischen den beiden Figuren gespürt. So ist das Buch eine weitere rosarote Fantasie einer Frau, die die Reichen in den schönsten Farben anmalen und sich dabei so weit wie nur möglich von der Realität entfernen. Nein, danke.Und dann dieses Café mit den Büchern! Nicht einen Moment machte die Betreiberin den Eindruck, als würde sie Hilfe brauchen. Und dann diese Bücher! Die Autorin erzählt so, als würde jeder Mensch lesen, dabei lügen Zahlen nicht: Leser werden weniger und noch weniger würden deshalb ein Café aufsuchen!