Der Einstieg hat mich erst einmal arbeiten lassen. Viel bleibt vage, vieles wird nur angedeutet. Immer wieder kreisen die Gedanken der Figuren um das, was vor zehn Jahren passiert ist, ohne dass man wirklich greifen kann, worum es konkret geht. Diese Lücken haben sich für mich stellenweise zäh angefühlt, auch weil sich innere Monologe wiederholen und Szenen eher umkreisen als voranbringen.Gleichzeitig entsteht genau daraus dieses Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Ein Unfall, neun Überlebende, ein Pakt. Und die Ahnung, dass das, was damals passiert ist, viel größer ist als das, was offen ausgesprochen wird. Ich habe gemerkt, wie mich das trotz der Längen am Ball gehalten hat, weil ich verstehen wollte, warum dieses Ereignis so eine Wucht auf das Leben der Beteiligten hat.Mit der Zeit fügt sich mehr zusammen. Ab etwa der Hälfte kippt das Lesen für mich. Plötzlich ergibt vieles Sinn, ein neuer Aspekt kommt dazu, der die Geheimniskrämerei in ein anderes Licht rückt. Ab da zieht die Spannung spürbar an. Ich wollte wissen, wie das alles zusammenhängt und wohin es führt.Cass als Figur funktioniert dabei gut. Ihre Reaktionen wirken nachvollziehbar, sie ist keine überzeichnete Heldin, sondern jemand, der versucht, mit dem umzugehen, was da aufbricht. Der Schreibstil bleibt dabei zugänglich, was hilft, auch durch die ruhigeren Passagen zu gehen.Ganz rund wurde es für mich trotzdem nicht. Der große Spannungsbogen ist durchgehend da, fast schon zu präsent, während der Kern der Geschichte zwischendurch etwas dünn wirkt. Manche Entwicklungen verlaufen sich, Figuren tauchen auf und verschwinden wieder. Und auch beim Showdown blieb bei mir kurz das Gefühl hängen, nicht alles ganz klar greifen zu können.Trotzdem: Wer Geduld mitbringt, bekommt hinten raus eine deutlich stärkere, spannendere zweite Hälfte mit einigen Wendungen, die überraschen.¿ 3,5 Sterne