"Beutetanz", der zweite Band der Annie-Ljung-Reihe, ist ein typisch skandinavischer Krimi. Wir bekommen eine wunderbare ländliche Umgebung, zwei etwas unterkühlte und nicht immer sympathische Ermittlerinnen (über deren Privatleben man viel erfährt) und eine verzwickte Krimihandlung, die aus verschiedenen Perspektiven erzählt wird.Es scheint fast so, als gäbe es in skandinavischen Ländern eine Art Schablone für erfolgreiche Krimis.Keine Frage, "Beutetanz" liest sich flüssig und zügig und bietet, wie so oft, eine interessante Ausgangsposition, kann aber dann nicht ganz liefern. Die beiden Protagonistinnen Annie und Sara sind mir fremd und austauschbar geblieben. Teilweise sind sich die beiden so ähnlich, dass ich sie manchmal miteinander verwechselt habe. Leider lässt die Autorin bei der Gestaltung der Figuren auch keine Klischees aus: Sara ist lesbisch und hat einen Vaterkomplex, Annie hat eine traumatische Vergangenheit und trägt davon Narben davon (buchstäblich!). Vielleicht sollten sich die Krimiautoren mal was Neues einfallen lassen, so langsam haben wir in dieser Hinsicht wirklich alles durch.Die Handlung fand ich zwar okay, sie braucht jedoch ziemlich lange, bis sie mal in Gang kommt. Die ersten 70 Seiten geht es nur um das Privatleben der beiden Ermittlerinnen, das übrigens auch stark Bezug auf den ersten Band der Reihe nimmt. Man versteht zwar einigermaßen, was passiert ist, dennoch hätte es geholfen, wenn die Autorin neuen Lesern ein wenig mehr Informationen gegeben hätte.Alles in allem hätte ich mir deutlich mehr Spannung gewünscht, auch wenn ich sagen muss, dass mich als Krimivielleserin nicht mehr viel überraschen kann, insofern bin ich vielleicht nicht gerade ein Maßstab.Ich finde dieses Buch okay, aber bei der Vielzahl an skandinavischen Krimis, die monatlich auf den deutschen Buchmarkt geworfen werden, wird es sich wahrscheinlich hervorheben können.