Schlechter geht kaum
Optik - Cover + Klappentext: Das Cover des Buches ist wirklich sehr schön und das einzig Positive an dem ganzen Werk. Der Titel prangt in schöner Schrift sehr zentral im unteren Bereich. Darüber sehen wir ein abstrakt gemaltes Bild eines liegenden Mädchens mit grünen Augen. Sie scheint mich direkt anzusehen und das geht voll tief rein. Gefällt mir wirklich super. Der Name der Autorin steht deutlich kleiner als der Titel darüber. Von der Optik her ist das Buch echt wunderschön gemacht, aber sobald ich den Klappentext lese, haut es mich nicht vom Hocker. Dauernde Wortwiederholungen mit nichtssagenden Sätzen dahinter. Es klang langweilig, trotzdem wagte ich mich an die Geschichte heran.Buchsatz + Schreibstil + Grammatik:Das Buch wird in drei Teile untergliedert und aus der Ich-Perspektive abwechselnd von den Hauptcharakteren Tara und Alun erzählt. Es enthält mehrere Register zum besseren Verständnis, z.B. für Personen oder Orte, und auch eine Karte. Der Schreibstil der Autorin ist leider grauenvoll langweilig und wenig spannend, gespickt von ständigen Wortwiederholungen und unverständlichen, selbstausgedachten und verwirrenden Begriffen. Sie sollen vermutlich eine Anlehnung an die Zukunft sein, klingen für mich aber eher nach einer billigen Englisch-Variante. Für Smartphones verwendet die Autorin z.B. den Begriff Sig-Phone. Gleichzeitig gibt es aber auch Sick-Phones, die gerade beim Hörbuch für totale Verwechslung sorgen. Hier hätte man sich wirklich eine bessere Alternative einfallen lassen können. Ich konnte weder die Gefühle der Protagonisten spüren, die angeblich eine tragische Liebe verbindet, noch mir die dystopische Welt vorstellen, in der die Geschichte spielt. Außer ein paar futuristischen Begriffen, mit denen die Autorin wahllos um sich wirft, hat sich überhaupt kein Dystopie-Feeling bei mir eingestellt, wie es bei einem solchen Buch sein sollte. Die Handlung blieb weit hinter meiner Erwartung zurück und strotzt nur so vor Logiklöchern. Die Charaktere verhalten sich komplett unrealistisch, auch die Erwachsenen (nach einer chemischen Explosion denken die Leute nur an banale Dinge, reden über Hosen, Essen und ihre Handys, und kleben Fliesen in der Stadt) und auch nicht altersgemäß. Die Sprache der Kinder hätte angepasst werden müssen. Ich bin maßlos enttäuscht. Mir fehlen die Worte.Inhalt:Im Mittelpunkt der Handlung steht die chemische Explosion der Factory 11. Die Umgebung wird verseucht, die Menschen erblinden, alles wird von TNE vertuscht. Daneben läuft die Geschichte von Tara und Alun in verschiedenen Gegenden. Tara lebt mit ihrer Familie in der verseuchten Zone, während Alun geflohen ist, später aber dorthin zurückkehrt, weil er nach Tara sucht. Gerade Aluns Kapitel waren so langweilig geschrieben, dass ich sie überflogen habe. Taras Kapitel waren etwas spannender, aber mit Unmengen von Logiklöchern versehen. Allgemein hatte ich nicht den Eindruck, dass das Buch jemals ein Lektorat gesehen hat. Dabei hätte es vieles noch retten können. Es wird Drogenkonsum verherrlicht, Suchtverhalten verstärkt (die Protas, auch die Erwachsenen, hängen ständig nur an ihren Handys) und alle verhalten sich völlig abstrus nach so einem schlimmen Vorfall. Eine Dystopie sollte mir das Gefühl von Angst vermitteln, die man normalerweise nach so einem Chemie-Unfall verspürt, doch nichts kommt davon bei mir an. Generell konnte ich keine Beziehung zu irgendeiner Figur aufbauen. Manche wie Tulip werden am Anfang so dargestellt, als seien sie megawichtig und dann werden sie im Rest der Handlung nicht mehr erwähnt. Das Ende ist das schlimmste und zieht alles noch mal komplett nach unten. Grauenvoll!Fazit:Wer eine tragische Liebesgeschichte mit dystopischem Hintergrund erwartet, die emotional greifbar ist, ist hier leider fehl am Platz. Ich konnte die angebliche Liebe zwischen Alun und Tara bis zum Schluss nicht spüren. Dabei haben gerade Jugendliche im Alter der Hauptcharaktere ein Gefühlschaos im Körper, dass die Autorin wunderbar hätte nutzen können. Auch die Zielgruppe der Leser wird m.M.n. völlig verfehlt. Das Buch soll für Kinder ab 14 geschrieben worden sein, liest sich aber so steril und platt wie ein Zeitungsartikel und ist nicht an die Sprache der Jugendlichen angepasst worden. Auch die Hintergrundrecherche ließ extrem zu wünschen übrig. Mal schreibt die Autorin etwas so, dann wieder völlig anders, ohne realistische Zusammenhänge. Hier und da ein paar Fremdbegriffe machen noch lange keinen spannenden Dystopie-Roman aus einem Werk. Ich habe selten so ein dermaßen schlechtes Buch gelesen und kann es keinem empfehlen.