"Der Mensch ist im Grunde gut" - Diese Aussage für sich genommen löst sicherlich bei einem Großteil der Menschen Irritationen aus. Für Menschen, die gerade Opfer von Gewalt oder Kriminalität geworden sind, dürfte sie mitunter kaum zu ertragen sein.Und doch handelt es sich um kein naives Werk der Verblendung. Der Autor setzt sich umfassend mit den Gräueltaten der Menschengeschichte auseinander, ebenso wie mit ebenso zweifelhaften wie weit verbreiteten psychologischen Untersuchungen wie dem Milgram-Experiment und der Fassadentheorie. Letztere besagt, dass der Mensch nur durch gesellschaftliche Regeln, Normen und Gesetze, sowie einer Staatsgewalt, die diese auch durchzusetzen vermag, davon abgehalten wird, seine wahre, animalische und brutale Seite zu offenbaren.Auch dem bis in die heutige Zeit im Grundsatz verbreiteten Modell des Taylorismus zur Führung von Unternehmen, sowie dem ökonomischen Modell vom homo oeconomicus setzt das Buch alternative Ansichten, Studienergebnisse und Erfahrungsberichte entgegen.Darüber hinaus beleuchtet der Autor das menschliche Wesen durch Einbeziehung verschiedenster wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Archäologie, Anthropologie, Psychologie u.v.m. Er arbeitet Entwicklungen und Rahmenbedingungen innerhalb der Menschheitsgeschichte heraus, die den - im Grunde guten - Menschen dazu verleiten können, schlechtes zu tun. Und kehrt dabei die Fassadentheorie um: Der im Kern gute Mensch ist häufig von einer dünnen Schicht Egoismus überzogen und gibt sein wahres (gutes) Ich insbesondere in Krisensituationen preis.Die dabei gesammelten Erkenntnisse haben mich zutiefst gerührt, aufgerüttelt, manchmal wütend gemacht. Ich muss nicht mit jeder Zeile und jeder einzelnen Aussage oder politischen Haltung des Autors d'accord gehen - Und doch hat es mich ein stückweit überzeugen können: Der Mensch ist im Grunde gut.Ein gewaltiges Werk, das keinen fühlenden Menschen kalt lassen dürfte.