Nicht nur ein Krimi
Wer die Bretagne kennt, wird diesen Krimi mögen, da er neben einer passablen Geschichte auch einiges über diesen Landstrich und seine Bewohner erzählt. Dass hier die vorgelagerte Inselwelt (Glénan-Inseln) im Focus steht, bringt noch einen zusätzlichen Schauerfaktor ins Spiel (Schiffsuntergänge eingebettet in Gruselgeschichten sowie Mythen und Sagen). Dass es gleich drei Tote (Ertrunkene, die nicht nur einfach über Bord gegangen sind) und im weiteren Verlauf zwei Vermisste gibt wäre schon spektakulär genug, doch die Ermittlungen ergeben gleich vier Motive, die jedes für sich stimmig zu sein scheint.Insofern ergibt es ein weites Feld für die Ermittlungen der Crew rund um den Kommissar Georges Dupin vom Commissariat de Police Concarneau. Da die Mannschaft überschaubar ist und zunächst in schlüssigen Handlungsabfolgen vorgeht, ist ein unangestrengtes Lesen (und Genießen) möglich. Man fühlt sich bei den Ermittlungen mitgenommen, den Personen und der Landschaft recht nah, was allein schon ein Qualitätsmerkmal ist. Doch bei fortschreitender Lektüre werden die Zusammenhänge komplexer, sodass man dem Kommissar mit der eigenen Expertise kaum zur Seite stehen kann. Die Stimmigkeit der Geschichte zusammen mit teils herausragenden Landschafts- und Mentalitätsbeschreibungen ("Der Archipel bringt die Menschen zwar eng zusammen - und doch ist letztlich jeder für sich allein.") macht diesen Krimi äußerst lesenswert.