Ein spannender dritter Fall
Inhalt: Die Wiener Anwältin Evelyn Meyer erhält einen neuen, brisanten Fall: Ihre Mandantin wird des Mordes verdächtigt, wurde anscheinend sogar während der Tat gefilmt, beteuert aber ihre Unschuld. Als Evelyn den Tatort genauer unter die Lupe nimmt, fallen weitere Unstimmigkeiten auf: Es finden sich keine Fingerabdrücke der Verdächtigen... Zeitgleich wird in Leipzig ein vermögender Mann tot aufgefunden; die Ermittlungen werden schnell eingestellt, scheint doch alles auf einen Unfall hinzudeuten. Kommissar Walter Pulaski lässt aus persönlichen Gründen nicht locker - und bald werden Parallelen zum Fall in Wien offenbar...Persönliche Meinung: "Rachewinter¿ ist ein Thriller von Andreas Gruber. Es ist der dritte Fall um die Ermittlerfiguren Evelyn Meyer und Walter Pulaski. Zwar ist der Fall in sich abgeschlossen, allerdings finden sich kleinere Spoiler zur Handlung der vorherigen Bände, sodass ein chronologisches Lesen sinnvoll ist. Erzählt wird die Handlung hauptsächlich aus den personalen Perspektiven der beiden Ermittlerfiguren. Weitere PoVs nehmen u.a. Flo, der neue Assistent Evelyns, sowie Nina, die Tochter Walters, ein, wobei insbesondere letztere für ein latentes Konfliktpotential sorgt, da sie eigenständig im Fall ermittelt. Die Handlung des Thrillers ist recht rasant; die Taktung der Morde ist hoch, wodurch sich eine schöne Spannungskurve ergibt. Zudem finden sich zwei überraschende Wendungen im Thriller - eine mittig, eine am Ende -, die für zusätzliche Spannung sorgen. Setting der Handlung ist ein klirrend kalter März, der insbesondere im fulminanten letzten Akt atmosphärisch zu seiner vollen Geltung kommt. Ein Thema, das in "Rachewinter¿ eine wichtige Rolle spielt, ist diese Transsexualität: Diesem Thema nähert sich Gruber bedacht und auf Augenhöhe, allerdings wirken einzelne Fragen, die manche Protagonist*innen zum Thema stellen, aus heutiger Perspektive "angestaubt¿ (Der Thriller erschien bereits 2018; die Fragen wurden vermutlich genutzt, um das Thema "Transsexualität¿ der Leserschaft näher zu bringen). Der Schreibstil von Andreas Gruber ist sehr anschaulich, lebendig und flüssig zu lesen, sodass der Thriller trotz seiner knapp 600 Seiten kurzweilig ist. Allein das Finale kam mir eine Spur zu lang vor, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Insgesamt ist "Rachewinter¿ ein spannender dritter Teil mit einem interessanten Fall, aber auch kleineren Längen.