Vorweggesagt, bis zum Schluss ist nicht klar zu entscheiden, ob das ein Fantasy-Roman ist, der eher für Jugendliche "begleitend" als Lektüre dient, oder doch ein Buch für Erwachsene, um den Verlust der eigenen Träume vielleicht bedauern (und veärndern!) zu können und zudem die eigene Sicht der Welt, das eigene Verhalten gerade Kindern gegenüber, aber auch sich selbst damit "trainieren" zu können im Blick auf einen empathischeren Umgang mit sich selbst und den anderen. Viele Zwischentöne, Hintergrundassoziationen, eigene Unbedachtheit zumindest erschließen sich wahrscheinlich eher dem erwachsenen Leben und der eigenen Reflexion (wer möchte schon gerne ein Werwolf sein oder ein "Alles-Verschlinger mit hundert Mündern" oder ein "Aussauger" oder ein ähnliches Monster. Wobei in das "Erwachsene" der Lektüre auch hineinfällt, dass gerade zu Anfang die "Monster", die dieses besondere Schiff zwischen Realität und "Nimmermehr-Sein" auf dem "Nimmermeer" überaus bedrohlich sind und es blutrünstig und grausam zur Sache geht. Eben genauso wie es aus Kindersicht gegenüber Missbrauch, emotionaler Kälte, Ausnutzen der eigenen Kinder für den eigenen Selbstwert oder das eigene Vergnügen sich wohl anfühlen mag. Wenn Eltern oder andere Familienmitglieder sich wie "Monster" nur auf sich bezogen verhalten.Das ist schon harte Kost teilweise. Wenn man das Geschehen auf der Kegelbahn des Schiffes dann auch vor Augen hat oder die harten Vernichtungs-Kämpfe gegen die "Herren des Schiffes", gegen die "Nachtmahre" im Turm und vieles mehr. Auf der anderen Seite, sehr flüssig und mit hohem "Sagen-Wiedererkennungswert" (Excalibur!) erzählt, bietet der Roman aber auch Heranwachsenden Quellen der Kraft und Hoffnung (wobei man das "Magische" nicht allzu wörtlich verstehen sollte, sondern eher als Beschreibung "innerer Wege" zur Selbstwirksamkeit und einem "Mut machen" zu einem "sich wehren"). Vieles an abenteuerlichem, auch an Kämpfen gegen dunkle Mächte ist sicherlich auch ein Lesevergnügen für heranwachsende Jugendliche, wie Harry Potter und viele anderen Romane es ja auch waren. Unbegleitet lesen wäre aber vielleicht am Ende nicht einfach zu empfehlen. Lesen einer Geschichte, die Kinder, die sich mit aller Kraft "wegwünschen" aus schwierigen häuslichen Verhältnisse, oder die, noch grausamer fast, innig "weggewünscht" werden, weil sie als störend und aufsässig empfunden werden, plötzlich einen. "Ortswechsel" vollziehen lassen. In eine Schiffskabine hinein. Die zwar das Kinderzimmer eins zu eins mitnimmt, ansonsten aber nichts mit der realen Welt zu tun hat. Erstmal. Auf dem "Seelenfänger". Der zu Beginn ein organisch wachsendes Schiff war, das Kindern Sicherheit und Wärme versprechen sollte. Geführt von einem Kapitän, der den verstoßenen, missbrauchten, schlecht behandelten Kindern Zuflucht sein wollte. Aber, das gilt auch hier, man nimmt sich immer auch selbst mit. Und so bringen die Kinder die Ursachen ihrer seelischen Verwundungen mit. Die "Monster". Die an Bord des Schiffes alles Menschliche verlieren und nur noch in der Form existieren, wie ihr Verhalten den Kindern gegenüber in der "realen Welt" war. Bedrohlich. Strafend. Ausnutzend. Missbrauchend. Hart. Und vieles mehr. Und, oh ja, diese Monsterwurden mehr und mehr, haben das Schiff übernommen, die "verlorenen Seelen" der Kinder wieder unterjocht und als Sklaven quasi haltend. Der Kapitän seit Urzeiten verschwunden, die Lage eher hoffnungslos. Bis Leo und Felix auf dem Schiff anlangen. Der "Löse" und der "Glückliche". Und zumindest der Kampf Schritt für Schritt aufgenommen wird, Verbündete gefunden werden, die Suche nach dem Kapitän und nach den "Weltenschlüsseln", mit denen eine Rückkehr möglich wäre, energisch vornaschreitet. Mit offenem Ende, vielen Kämpfen, auch Verlusten und einem, lange Zeit, offenen Ausgang, auf dem ebenfalls harte Enttäuschungen für große Hoffnungen noch erlebt werden müssen. Flüssig, bildkräftig und spannend verfasst biete das Schiff der verlorenen Kinder eine hervorragende Lektüre.