Ein moderner Klassiker und zurecht eine der gehyptesten YA-Dystopien
Dieses Buch ist sicherlich kein Meisterwerk, wenn man sich allein auf die stilistischen Aspekte fokussiert. Es haut einen sprachlich nicht um, aber das muss es auch nicht. Am Ende des Tages richtet es sich an Jugendliche und die einfache Sprache macht in diesem Fall natürlich Sinn. Und sie nimmt nichts weg von der Geschichte und ihrer Message.Dieses Buch ist dystopisch durch und durch. Die Prämisse ist simpel und doch schafft es Collins, so viel daraus zu machen.Die Kluft zwischen arm und reich ist greifbar. Der grenzenlose Prunk des Kapitols wirkt überwältigend mächtig, gänzlich bizarr und doch wirkt es in keinster Weise überspitzt. Man fragt sich, wie es sein kann, dass Leute Unterhaltung finden können, an Kindern, die sich gegenseitig umbringen und doch liegen Realität und Fiktion gar nicht so weit auseinander. Collins schafft es, diese Sozialkritik in ein Jugendbuch zu packen und keinen Moment zu beschönigen oder zu romantisieren. Die Geschichte macht vor nichts Halt, immerhin bekämpfen sich hier buchstäblich Kinder bis zum Tod und das bewegt einen unweigerlich, es verstört aber nicht. Es schlachtet Leid nicht aus, es enthält trotz all der düsteren Elemente, Momente der Hoffnung, Liebe, Empathie und zeigt auch Zusammenhalt, wo doch jeder für sich selbst kämpfen sollte.Die Szenen in der Arena sind eindrücklich. Man fiebert mit, nicht nur mit Katniss. Man weiß, wie es endet und gleichzeitig weiß man es nicht. Man hofft und bangt, man ist gänzlich von den Spielen gefesselt. Die Spiele faszinieren und bewegen.Katniss ist eine wunderbare Protagonistin für ein YA-Buch. Eigensinnig, stark, voller Feuer. Sie lässt sich nichts sagen, sie weiß sich zu wehren und gleichzeitig ist sie trotzdem noch ein Kind, das nicht alles weiß und nicht alles wissen kann. Sie macht Fehler und reagiert irrational. Ein Kind, das in einer Situation gefangen ist, in der sie nicht stecken sollte. Eine emotionale Ausnahmesituation und diese innerliche Zerreißprobe bringt Collins mühelos zu Papier. Ebenso positiv finde ich die Tatsache, dass sie mit Peeta zwar eine Stütze und einen Verbündeten hat, aber nie als Person porträtiert wird, die darauf angewiesen ist. Es wird einem keine kitschige Liebesgeschichte aufgezwängt, denn dafür ist in dieser Situation auch kein Platz.Das Ende spielt noch einmal kräftig mit den Gefühlen. Es sollte sich zwar anfühlen wie ein Happy End, doch es liest sich wie die Ruhe vor dem Sturm. Der Einstieg in die Welt der Hungerspiele ist wahrlich ein Werk, das seiner Zeit voraus war.