Der Roman beginnt wie ein Jugendbuch. Man lernt Roisin kennen: eine 15jährige, die mit ihrer Mutter in prekären Verhältnissen lebt. Ihr Vater, ein Katholik, hatte sich der umstrittenen Polizeitruppe der Royal Ulster Constabulary angeschlossen, die brutal gegen die irischen Bürgerrechtler vorging. Und auch wenn er inzwischen seine Familie einer neuen Liebe wegen verlassen hat und Roisin und ihre Mutter in den Süden gezogen sind, bleibt die Familie stigmatisiert und verarmt. Roisin wird zur Außenseiterin in der Schule.
Roisin trifft Red, Sohn aus gutem Hause, beliebt, aber renitent, schwierig und schwermütig. Beiden gemeinsam ist die Liebe zur Musik und zur Literatur, und beiden gemeinsam ist auch der starke Wunsch nach Veränderung: Roisin will ihren prekären Verhältnissen entfliehen und Red seiner Familie. London wird zum Ort der Hoffnungen für die beiden jungen Leute, und dann aber auch zum Ort der Enttäuschungen, der Gewalt, der Kriminalität, des Abstiegs und der sozialen Ausgrenzung.
Roisin gelingt jedoch die Aussöhnung mit der neuen Familie ihres Vaters, und sie bleibt der kleinen Halbschwester ihr Leben lang zärtlich und fürsorglich verbunden. Red hingegen schlägt sich mit Gelegenheitsjobs, Diebstählen und Drogengeschäften mehr schlecht als recht durchs Leben. Er kann der Belastung durch sein Elternhaus keinen Neuanfang entgegensetzen, und London wird für ihn nicht zum erhofften Sehnsuchtsziel, sondern zum Ort seiner Zerstörung. Bis sich Roisin schließlich wieder auf seine Spur setzt. Sie fühlt sich schuldig und muss dann die bittere Erkenntnis aushalten, dass Verantwortung Grenzen hat, dass man schuldlos schuldig werden kann.
Die Autorin begleitet das Paar 25 Jahre und stellt nur einige Stationen ihres Lebens vor. Es geht ihr offensichtlich weniger um eine durchgehende Handlung als um ein Charakterbild dieser beiden jungen Menschen, die auseinandergehen, sich wieder finden und sich wieder verlieren. Der Roman ist düster von seinen Themen her, er glänzt und leuchtet nicht, und seine deutlichen sozialkritischen Bezüge verdüstern ihn noch mehr.
Eine schmerzhafte Lektüre, und auch die wunderbar poetische Sprache Louise Kennedys tröstet den Leser nicht über die Erkenntnis hinweg, dass die Autorin ihm nicht das erhoffte gute Ende gönnen wird.
Das Hörbuch wird von Inka Löwendorf sehr schön eingelesen! Gerade wegen der Zeitgestaltung hätte ich mir jedoch ab und an eine deutliche Zäsur zwischen den Kapiteln gewünscht.