Vorsicht, nach Beendigung des Hörbuchs kommt es zu einem Ohrwurm. Der Schlager Memories of Heidelberg setzt sich im Kopf fest, ob man will oder nicht. Die Älteren von uns, kennen die Interpretin Peggy March noch, der Rest lernt sie mit diesem Buch kennen. Doch was hat es damit auf sich? Isolde und Bertram, mittlerweile seit 17 Jahren verheiratet, verbringen wieder einige Tage in Heidelberg. Isoldes Mutter wird ihren 80. Geburtstag feiern, doch leider muss sie dieses Fest im Krankenhaus verbringen. Normalerweise nächtigen die beiden im Europäischen Hof, doch dieses Mal hat sich Isolde ein schnuckeliges, aber auch sehr teures Boutiquehotel, direkt am Neckar gelegen, ausgesucht. Mit ihrer späten Ankunft, die beiden kommen aus Oldenburg angereist, ist die Rezeption nicht mehr besetzt. Der Schlüssel soll auf dem gegenüberliegenden Restaurantschiff abgeholt werden. So nimmt das Schicksal seinen Lauf, denn die nächsten Abende werden sie dort immer zu Abend essen. Der Service wird täglich schlechter und man fragt sich, warum tun die beiden sich das an. Bertram würde gerne woanders essen gehen, heimlich sehnt er schon die Fahrt nach Hause herbei und freut sich auf die acht Sorten Fleischplatte im Rodizio in Oldenburg, aber Isolde behaart jeden Abend aufs Restaurantschiff. Frei nach dem Motto Never change a running system. Zum immer schlechter werdenden Service, gesellt sich die täglich gleiche Playlist, u.a. auch des Titelgebende Lied Memories of Heidelberg. Wir begleiten Bertram und Isolde über mehrere Tage und erfahren somit eine ganze Menge über ihre Ehe und Heinz Strunk schreckt nicht davor zurück, Wahrheiten zu benennen, wie sie vermutlich in Ehen zu finden sind. Es ist eine typische Heinz Strunk Erzählung: überspitzt (ja, und auch mit einigen ekeligen Passagen) und skurril. Ich bin immer wieder erstaunt, was für ein guter Menschenbeobachter er ist, denn um die Figuren so agieren und denken zu lassen, muss man diese Gabe haben. Für mich waren die drei Stunden Spieldauer ein tolles Hörerlebnis. Heinz Strunk hat das Buch selbst eingelesen, was den Spaß meiner Meinung nach verdoppelt. Da ich den Autor bereits aus Lesungen kenne, war ich auf das Tempo und Silbenverschlucken gefasst, das Zuhören bereitete mir keine Probleme. Andere mögen sich daran stören, ich empfinde es als authentisch. Mir hat die Geschichte sehr gut gefallen und ich spreche gerne eine Lese- bzw. Hörempfehlung aus.