Das Thema dieses Buches ist ein weiteres erschütterndes Kapitel des Zweiten Weltkriegs: Die Entführung von Ostarbeiterinnen.
Nelka passiert genau das, sie wird am hellen Tag beim Einkaufen festgenommen und vom ukrainischen Lemberg nach Deutschland verfrachtet, interniert, zur Arbeit gezwungen. Dieser Teil der Geschichte wird sehr berührend beschrieben. Man kann sich gut in das Schicksal dieser Frauen hineinversetzen und erlebt mit, wie schrecklich das war. Sie waren niedrigste Arbeitskräfte und außerdem Freiwild für Soldaten. Nelka kennt sich mit Obstanbau aus. Nur deshalb kann sie den Verwalter des Gutes, auf dem sie arbeiten muss, auf Abstand halten.
Nach dem Krieg versucht sie mit dem Trauma des Erlebten weiterzuleben. Diesen Teil ihrer Geschichte erfährt man in Andeutungen, eine Art Streifzug durch ihr weiteres Leben, das in einem Wiedersehen mit dem uralten Verwalter gipfelt.
Auch wenn diese Geschichte sehr berührend ist, hat sie mich nicht so sehr getroffen, wie sie sollte. Der Erzählstil ist kunstvoll, aber distanziert. Viele Sätze wirken, wie zum Zitieren entworfen, sind schön gedrechselt, platziert, laden ein, bewundert zu werden wo sie berühren sollten.
Maria Hartmann liest das Hörbuch sehr ruhig und ohne viel Pathos und unterstützt damit die kunstvoll getragene Stimmung des Textes. Ich hätte mir etwas mehr Pausen zwischen Zeit- und Szenenwechseln gewünscht. Die gehen nahtlos ineinander über und man muss beim Hören gut aufpassen. Es dauert 6 Stunden und 45 Minuten.