Das Hörbuch Gelbe Monster von Clara Leinemann, wird gesprochen von Lisa Hrdina. Die Sprecherin schafft es, Charlies Gedankenwelt sehr lebendig wirken zu lassen. Es fühlt sich oft eher wie ein direkter Einblick in ihren Kopf an als wie ein vorgelesener Text, was die emotionale Wirkung deutlich verstärkt.
Kurz zum Inhalt: Man steigt ohne große Vorbereitung in Charlies Leben ein. Sie sitzt mit einem blauen Auge in der U-Bahn, auf dem Weg zu einem Anti-Aggressionstraining, und wirkt dabei gleichzeitig trotzig, verletzt und irgendwie verloren. Dabei hat alles ganz harmlos angefangen. Charlie macht gerade ihren Master in Mathematik, als sie auf Valentin trifft und sich in ihn verliebt. Doch es dauert lange, bis sie endlich zusammen kommen. Es fühlt sich alles so gut für sie an, bis die Beziehung kippt und immer öfter eskaliert. Wie konnte es so weit kommen?...
Mit einer gewissen Leichtigkeit und auch einem feinen Humor erzählt Clara Leinemann in ihrem Debütroman von einer Beziehung, die zunächst genau so wirkt, wie man sie sich wünscht, bis sie es plötzlich nicht mehr ist. Dabei geht es nicht nur um das Scheitern von Liebe, sondern auch um tief verankerte Vorstellungen davon, wie Beziehungen sein sollten, um weibliche Gewalt und um emotionale Abhängigkeiten. Charlie ist dabei alles andere als eine klassische Heldin, aber gerade das macht sie so greifbar und liebenswert, dass man sie am Ende nur ungern gehen lässt.
Besonders spannend ist, wie geschickt der Roman mit unseren Erwartungen an Geschlechterrollen spielt. Häusliche Gewalt wird meist mit Männern verbunden und genau dieses Bild wird hier bewusst verschoben. In Charlies Therapiegruppe treffen ganz unterschiedliche Formen von Gewalt aufeinander: von extremen Fällen bis hin zu Situationen, die sich irgendwo in einer Grauzone bewegen. Und genau da wird es interessant: Wo fängt Gewalt eigentlich an? Was wird vielleicht noch verharmlost oder entschuldigt? Und ab wann ist eine Grenze überschritten? Während man Charlie durch ihre Beziehung begleitet, stellt der Roman genau diese unbequemen, aber wichtigen Fragen ohne einfache Antworten zu liefern.
Inhaltlich hat mich die Geschichte total in den Bann gezogen. Die Dynamik zwischen Charlie und Valentin ist unangenehm echt: diese Mischung aus Verliebtheit, Abhängigkeit, Frust und Eskalation. Charlie ist keine klassische Sympathieträgerin, aber genau das macht sie interessant. Man schwankt ständig zwischen Verständnis, Kopfschütteln und Mitgefühl. Das Einzige, was mich am Hörbuch gestört hat ist, dass die vielen Zeitsprünge nicht eindeutig gekennzeichnet sind. Ich war des Öfteren kurz orientierungslos.
Fazit: Inhaltlich würde ich dem Hörbuch ohne Zögern 5 von 5 Sternen geben es ist intensiv, klug und regt zum Nachdenken an. Einen kleinen Abzug gibt es für die Umsetzung als Hörbuch, weil die Zeitsprünge für mich nicht immer klar genug waren und dadurch manchmal Verwirrung entstand. Insgesamt aber ein sehr eindrückliches Hörerlebnis, das noch lange nachwirkt.