Dieses Buch ist intensiv, eindringlich und verstörend.
Da werden 40 Frauen in einem Keller im Käfig gehalten, niemand weiß warum und die Kleine, die Jüngste von ihnen, hat sogar nie etwas anderes gekannt. Alle anderen haben Namen und eine blasse Erinnerung an ein anderes Leben, das Mädchen nicht. Sie weiß nur, was die Frauen ihr erzählen und das ist nicht viel. Lohnt es sich, über eine Welt zu reden, die es nicht mehr gibt? Oder gibt es sie noch irgendwo draußen, wohin keine der Frauen mehr gelangen kann bis eines Tages alle Wächter verschwunden sind und die Tür offen steht.
Das alles erzählt sie uns aus einem weit späteren Blickwinkel. Jahre später ist sie alt, krank und ganz alleine und schreibt ihre Erlebnisse nieder, selbst wenn ihr Leben sich immer nur ums blanke Überleben gedreht hat.
Ich, die ich Männer nicht kannte ist bestimmt so existentiell wie »Die Wand«, genauso fesselnd, obwohl nicht wirklich viel passiert, genauso intensiv und nachdenklich, die Grenzen auslotend und sich fatalistisch seinem Schicksal stellend. Den feministischen Aspekt konnte ich allerdings nicht ausmachen, der Vergleich zu »Der Report der Magd« hinkt stark.
Die Hörbuchversion ist besonders empfehlenswert. Vera Teltz findet genau den richtigen Ton, um diese finstere aber berührende Geschichte vorzutragen, verleiht dem Geschehen noch einen zusätzlichen sehr authentischen Touch. Es dauert 6 Stunden und 26 Minuten.