Ich habe Born of Salt and Storm von Sophia Reynard abwechselnd gehört und gelesen. Selten hat sich ein Romantasy-Debüt für mich so stimmig in Atmosphäre und Aufmachung angefühlt.
Schon das Buch selbst ist ein kleines Highlight. Der Farbschnitt mit dem grün schimmernden Meer, Muscheln und feinen Details wie Luftbläschen und Segelschiff passt einfach perfekt zur Geschichte und macht direkt Lust, einzutauchen. Besonders schön fand ich auch die Karte in der Klappenbroschur, die einem die Welt greifbarer macht. Am Ende wartet sogar ein kleiner Logbucheintrag mit einem Ausblick auf den nächsten Band ein Detail, das die Vorfreude auf die Fortsetzung (geplant für Herbst 2026) noch verstärkt.
Inhaltlich hat mich vor allem die Atmosphäre abgeholt. Diese raue, salzige Welt voller Stürme, Mythen und Gefahren fühlt sich unglaublich lebendig an. Man merkt, wie viel Herzblut in das Setting geflossen ist das Meer ist hier nicht nur Kulisse, sondern fast schon eine eigene Figur. Der Einstieg braucht einen kleinen Moment, weil man sich erst orientieren muss, aber genau dieses langsame Eintauchen verstärkt die dichte Stimmung.
Tavi als Protagonistin mochte ich sehr. Sie ist nicht glatt oder perfekt, sondern kantig, manchmal impulsiv und dadurch umso authentischer. Ihre Entwicklung im Laufe der Geschichte wirkt nachvollziehbar und hat mich emotional mitgenommen. Eero hingegen bleibt lange geheimnisvoll, was gut zur Geschichte passt. Die Dynamik zwischen den beiden ist von Misstrauen geprägt und entwickelt sich sehr langsam ein klassischer Slow Burn, der eher leise im Hintergrund wächst. Wer viel Romantik erwartet, sollte das im Hinterkopf behalten, aber gerade diese Zurückhaltung fand ich passend und glaubwürdig.
Auch die Nebenfiguren bringen zusätzliche Tiefe in die Geschichte und lockern an den richtigen Stellen auf, ohne die Grundstimmung zu verlieren.
Das Hörbuch hat das Ganze für mich noch einmal auf eine andere Ebene gehoben. Gesprochen von Lisa Oltsch und Philipp Oehme, wobei der weibliche Part deutlich überwiegt, wird die Geschichte sehr angenehm und atmosphärisch transportiert. Dass die Geschichte nicht in der Ich-Perspektive erzählt ist, fand ich ein kleines bisschen schade, weil dadurch etwas Distanz entsteht, aber das ist wirklich Meckern auf hohem Niveau.
Insgesamt ist Born of Salt and Storm für mich ein sehr gelungener Auftakt der Seakissed-Trilogie: atmosphärisch dicht, visuell wunderschön aufbereitet und mit Figuren, die sich Zeit nehmen, um zu wirken. Besonders das maritime Setting hebt die Geschichte von vielen anderen Romantasy-Titeln ab und bleibt im Kopf.
Fazit:
Ein stimmungsvoller, leicht rauer und gleichzeitig gefühlvoller Einstieg in eine neue Romantasy-Reihe. Wer Lust auf Meer, Magie, Slow Burn und eine Welt voller Geheimnisse hat, sollte hier definitiv einen Blick (oder ein Ohr) riskieren.