Düsterer Reihen-Auftakt mit einer interessanten Ermittlerin und frostiger Dorfatmosphäre ¿ aber leider mit deutlich zu wenig Spannung...
EIN DÜSTERER AUFTAKT FÜR PIA KORITTKI...Ein mysteriöser Dreifachmord auf einem Bauernhof versetzt die Bewohner eines holsteinischen Dorfes in Angst. Für Pia Korittki, neue Kommissarin bei der Lübecker Mordkommission, soll dieser Fall zur Bewährungsprobe werden. Als während der Ermittlungen ein sechzehnjähriges Mädchen spurlos verschwindet, wird die Zeit knapp. Und Pia erkennt, dass sich hinter der Fassade ländlicher Wohlanständigkeit abgrundtiefer Hass und verbotene Leidenschaften verbergen... (Verlagsbeschreibung)Ein Dreifachmord auf einem abgelegenen Bauernhof, ein verschwundenes Mädchen und jede Menge Dorfgeheimnisse - eigentlich ideale Zutaten für einen packenden Krimi. Trotzdem sprang der Funke beim ersten Fall für Pia Korittki nicht so recht über. Dieser entwickelt sich ausgesprochen langsam, und auch wenn die düster-kalte Atmosphäre eines holsteinischen Dorfes im Winter durchaus ihren Reiz hat, ersetzt sie leider keine Spannung. Zwischen Zeugen, Verdächtigen, Verwandtschaftsverhältnissen und immer neuen Namen verliert man zudem vor allem in der ersten Hälfte doch leicht den Überblick. Gerade weil der Krimi sehr ernst erzählt und nicht beispielsweise durch humorvolle Passagen aufgelockert wird, wirkt das Geschehen stellenweise doch recht schwerfällig. Selbst der Showdown, auf den alles hinausläuft, vermag daran nur wenig zu ändern: frostige Stimmung statt Nervenkitzel...Interessanter fand ich Pia Korittki als Figur. Als neue Kommissarin muss sie sich in einer von Männern dominierten Lübecker Mordkommission erst einmal behaupten - und ihre Position unter den ausschließlich männlichen Kollegen ist gelinde gesagt schwierig. Gleichzeitig besitzt Pia einen ausgeprägten Feuereifer, der sie allerdings nicht immer besonders vernünftig handeln lässt. Ihre gefährlichen Alleingänge sind für eine Ermittlerin mit wenig Rückhalt zwar nachvollziehbar, in ihrer konkreten Ausführung aber eher weniger überzeugend. Dazu kommt ihre (doch überraschende) Affäre mit dem Kollegen Marten Unruh, die ihre berufliche Situation kaum übersichtlicher machen dürfte. Doch als Auftakt einer inzwischen 21 Bände umfassenden Reihe ist das schon interessant: Pia bekommt Ecken und Kanten und darf sich in den folgenden Bänden sicherlich entwickeln, auch wenn manche ihrer aktuellen Entscheidungen bei mir eher ein Kopfschütteln als ein Mitfiebern auslösten. Die Charakterzeichnung ist insgesamt stärker als die eigentliche Krimispannung.Als Hörbuch funktioniert das Ganze dank Anne Moll dennoch erstaunlich gut. Ihre Sprecherleistung gibt den vielen Figuren klare Stimmen und trägt sicher dazu bei, dass man trotz des langsamen Tempos weiterhört. Die ungekürzten 7 Stunden und 24 Minuten ziehen sich allerdings stellenweise, weil der Fall über lange Strecken eher vor sich hin mäandert als wirklich Druck aufzubauen. Für mich überwiegt deshalb am Ende die Atmosphäre gegenüber der Spannung: kalt, düster, bedrückend - aber eben nicht besonders aufregend. Als Reihenauftakt okay, als Kriminalfall jedoch nur bedingt überzeugend...© Parden