Mein Hör-Eindruck:
Eigentlich war es das schöne Cover, das mich zu dem Hörbuch hat greifen lassen, und vor allem der geniale Sprecher Rufus Beck, den wir bereits mehrmals bei den Familienkonzerten des Bayerischen Rundfunkorchesters in München erlebt haben. Mit Fantasy habe ich normalerweise nichts am Hut, aber das änderte sich schnell beim Hören.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht der elfjährige Malcolm, ein hilfsbereiter Junge, der seinen Eltern in ihrem Gasthaus an der Themse in der Nähe von Oxford zur Hand geht und der mit seinem Boot die Themse überquert, um den Nonnen im Kloster auf der anderen Seite zu helfen. Und als Malcolm eines Abends von drei geheimnisvollen Gästen über das Kloster ausgefragt wird und die Nonnen das ebenso geheimnisvolle Baby Lyra bei sich aufnehmen, ist Malcolms Interesse geweckt.
Hintergrund der Ereignisse ist ein theokratisches Gesellschaftssystem, in dem eine Geheimpolizei und andere kirchliche Organisationen die Menschen überwachen und kritische Bürger einer Gedankenwäsche unterziehen oder sie gleich eliminieren. Dem steht eine andere, demokratisch orientierte Geheimorganisation gegenüber, mit der Malcolm in Kontakt kommt.
Vor diesem Hintergrund entfaltet sich eine Geschichte, die an Buntheit und Phantasie keine Wünsche mehr offenlässt. Malcolm muss mit Lyra fliehen, begleitet von dem Küchenmädchen Alice und von ihren hilfreichen Seelengeistern, den Dämonen; eine schöne Idee! Ein sintflutartiger Regen erschwert die Flucht, Verfolger lauern ihnen auf, Naturgeister erweisen sich als hilfreich oder auch nicht, Malcom und Alice mit Lyra durchziehen komplexe Parallelwelten und verlassen sie wieder, und dazu gibt es geheimnisvolle seltene Maschinen, Spione, Verräter und andere Bösewichte, aber auch Helferfiguren, Flutwellen, Hunger, Prügeleien und Messerstechereien und das alles wird immer schlüssig miteinander verknüpft. Im Mittelteil wiederholen sich die Handlungselemente, hier hätte der Autor durchaus straffen können. Aber diese Längen verzeiht man ihm gerne. Die Personen sind voller Leben, die einzelnen Szenen sind gut durchdacht und stimmig bis ins letzte Detail, und die Erzählung ist lebendig und bildstark.
Und last but not least: der Sprecher Rufus Beck. Ein versierter Profi mit einer Fülle an Stimmfärbungen, mit denen er die Personen differenziert und ihnen Leben verleiht. Ein Hörgenuss der Extraklasse!