Miss Merkel ist wieder da ;)
David Safiers zweiter Fall mit der pensionierten Bundeskanzlerin als Hobbydetektivin führt Angela Merkel erneut in die beschauliche Uckermark. Bei einem Spaziergang mit ihrem Mops Putin auf dem Friedhof von Klein-Freudenstadt macht sie eine makabre Entdeckung: Der Friedhofsgärtner steckt kopfüber in einem frisch ausgehobenen Grab, nur die Beine ragen heraus.Während der örtliche Kommissar Hannemann von einem tragischen Unfall ausgeht, ist für die analytisch geschulte Ex-Kanzlerin schnell klar: Das war Mord! Die Verdächtigen finden sich allesamt in zwei verfeindeten Bestatterfamilien - den Borschts und den Kunkels - deren jahrhundertelange Fehde ein dunkles Geheimnis birgt.Besonders der kultivierte Steinmetz und Bestatter Kurt Kunkel wird für Angela zur besonderen Herausforderung: Der Shakespeare-liebende ältere Herr mit dem Charme eines französischen Filmstars bringt die eigentlich glücklich verheiratete Angela in emotionale Turbulenzen - sehr zum Unmut ihres Mannes Joachim.Die Geschichte verbindet geschickt klassisches Whodunit im Stil von Agatha Christie mit humorvollen politischen Anspielungen und einer Prise Romantik. Safiers Stil ist bildhaft, dialogreich und voller Witz - eine sehr kurzweilige Geschichte, die man kaum aus der Hand (bzw. aus dem Ohr) legen möchte.Nina Spier liest dieses Hörbuch einfach phantastisch! Ihre Interpretation ist der absolute Höhepunkt dieser Produktion. Sie verleiht jedem Charakter eine eigene, unverwechselbare Stimme und navigiert mühelos zwischen Angelas analytischer Ruhe, Achims besorgter Zurückhaltung und den schrillen oder verschrobenen Tönen der skurrilen Nebenfiguren.Spiers Vortragskunst macht dieses Hörbuch zu einem echten Vergnügen.Sie schafft es, die humorvollen Momente perfekt zu betonen, ohne ins Alberne abzurutschen, und verleiht den emotionalen Szenen die nötige Tiefe. Man hört ihr einfach gerne zu - ihre Interpretation trägt maßgeblich dazu bei, dass die Geschichte so außerordentlich kurzweilig wirkt.Leider gibt es gravierende Kontinuitätsfehler, die dem Autor und dem Lektorat nicht hätten passieren dürfen und die den ansonsten positiven Gesamteindruck trüben:Ein Charakter aus dem ersten Teil, der dort Philipp hieß (Freiherr Philipp von Baugenwitz), wird im zweiten Hörbuch plötzlich Ferdinand genannt. Der Autor sollte eigentlich wissen, wie er seine Charaktere nennt! Solche Namenswechsel innerhalb einer Reihe sind inakzeptabel und zeugen von mangelnder Sorgfalt.Ebenso irritierend ist die Verwechslung an einer Stelle, wo nach der Schwiegermutter gefragt wird, obwohl es eindeutig die Stiefmutter sein sollte.Das sollte eigentlich nicht passieren - besonders nicht in einer professionell produzierten Hörbuchreihe! Diese Art von Fehlern reißt einen immer wieder aus der Geschichte heraus und kostet definitiv einen Stern.Trotz dieser ärgerlichen lektorischen Mängel ist "Miss Merkel: Mord auf dem Friedhof" ein sehr unterhaltsames Hörbuch, das durch Nina Spiers herausragende Leseleistung zusätzlich an Qualität gewinnt. Die Geschichte ist kurzweilig, humorvoll und clever konstruiert - perfekt für unterhaltsame Hörstunden.Wer den ersten Teil mochte oder Freude an humorvollen Cosy-Crimes hat, wird hier bestens bedient. Die Kontinuitätsfehler sind ärgerlich, schmälern aber nicht den Gesamtgenuss - vor allem nicht bei dieser phantastischen Sprecherin!Empfehlung: Für alle Fans der Reihe und Liebhaber intelligenter Krimikomödien - mit einem Stern Abzug für die handwerklichen Fehler, die einfach nicht sein müssten.