Lily ist das Kind chinesischer Einwanderer in Amerika. Als junge Erwachsene lernt sie den Amerikaner Matthew kennen. Die beiden verlieben sich und beginnen eine Beziehung. Aus ärmlichen Verhältnissen stammend, wird Lily von einem Tag auf den anderen in ein Leben voller Luxus und Geld geworfen. Trotz aller Unterschiede heiraten die beiden und bekommen ein Kind. Doch ihre Wege trennen sich. Jahre später lebt Lily allein mit ihrem Sohn Nick, der nichts über seinen Vater weiß. Als er sich auf die Suche nach diesem macht, stößt er auf Dinge, die er nicht unbedingt wissen wollte und wird nicht nur einmal vor eine Herausforderung gestellt.Ich muss zugeben, dass ich mit hohen Erwartungen an das Buch gegangen bin. Die Suche nach der eigenen Identität sowohl auf der Seite von Lily, als auch von Nick, klang reizvoll und spannend. Doch zu großen Teilen wurde ich leider enttäuscht. Das Buch konnte mich zunächst zu Beginn absolut nicht abholen. Der Schreibstil war zwar gut und einfach zu lesen, aber die Geschichte strotzte nur so vor Belanglosigkeiten. Eine Aneinanderreihung von Geschehnissen, die die Geschichte für mich nicht vorwärts brachten, sorgte dafür, dass die Geschichte meine Aufmerksamkeit sehr schnell verlor. Es fiel mir extrem schwer, längere Zeit an der Geschichte dran zu bleiben.Zudem war die Geschichte total unstrukturiert. Manchmal wechselt die Zeit bzw. die Szene innerhalb eines Abschnitts. Bis ich das kapiert habe, hat es eine Weile gedauert. Das sorgte auch dafür, dass mir alles total durcheinander vorkam und mich nicht wirklich fesseln konnte. Mit dem weiteren Verlauf der Geschichte, wurde das etwas besser. Aber eigentlich auch erst nach ca. 400 Seiten. Und das finde ich dann einfach zu lang. Zu diesem Zeitpunkt hatte mich die Geschichte eigentlich schon verloren. Ich gebe es zu, dass mir das letzte Viertel des Buches deutlich besser, als der Rest der Geschichte gefallen hat. Die Geschichte bekam plötzlich eine unerwartete Tiefe und die politischen Spannungen rund um den Kommunismus fand ich extrem spannend, weil ich mich mit dieser Thematik noch gar nicht beschäftigt hatte. So konnte ich definitiv auch noch etwas lernen und aus dem Buch mitnehmen. Doch das reichte für mich einfach nicht aus, um völlig begeistert zu sein.Die Charaktere fand ich ebenfalls schwierig. Oft fehlte mir das Verständnis für gewisse Verhaltensweise. Einiges löste sogar eher Unmut bei mir aus. Dies kam sicherlich auch durch die schnellen Szenenwechsel. So hatte man als Leser gar keine Chance, die Charaktere besser und in einer gewissen Tiefe kennenzulernen. Auch dies wurde tatsächlich gegen Ende besser, da man hier Dinge erfährt, die bestimmte Verhaltensweisen erklären und vor allem einen Charakter sehr tief beleuchten. Ich bin ein bisschen traurig, dass dies erst Richtung Ende der Fall war, denn die Geschichte hatte viel Potential. Der Titel "Real Americans" passt tatsächlich sehr gut zur Geschichte. Lilys Probleme sich einer Kultur zugehörig zu fühlen wurden schön beleuchtet und sehr deutlich gemacht. Da konnte ich auch sehr mitfühlen und fand das wirklich schön beschrieben. Der innere Konflikt und der Wunsch einfach nur akzeptiert zu werden, wurde sehr gut herausgearbeitet. Trotzdem ist das für mich einfach zu wenig. Ich verstehe nicht ganz, was die Autorin damit bezweckt hat, ganze Seiten mit völlig belanglosen Dingen zu füllen, bei denen ich aufpassen musste, dass ich nicht komplett querlese. Hätte ich das Buch nicht in einer Leserunde gelesen, hätte ich es vermutlich sogar abgebrochen und nicht zu Ende gelesen. Die Geschichte hat mich nicht verloren, sie hat mich tatsächlich nie ganz einfangen können. Die Sogwirkung blieb für mich komplett aus. Das Buch hat mich absolut nicht gefesselt. Warum es dann trotzdem drei Sterne bekommt, liegt vor allem daran, dass der letzte Teil gut gemacht war. Diesen habe ich im Verhältnis zum Rest tatsächlich recht gerne und vor allem zügig gelesen. Das Buch konnte mich zu dem Zeitpunkt dann auch überzeugen und ich wünschte mir, dass die Geschichte die ganze Zeit so gewesen wäre.Ich wollte das Buch so gerne mögen. Aufgrund des Klappentextes und den vielen positiven Stimmen, hatte ich echt hohe Erwartungen. Vielleicht auch zu hohe Erwartungen, wer weiß. Aber leider bin ich eher enttäuscht als zufrieden und kann dem Buch nicht mehr, als eine mittelmäßige Wertung geben.