Hat mich bestens unterhalten
Dieser Krimi der Buchhändlerin und Autorin Petra Hartlieb ist nach "Freunderlwirtschaft" der zweite Fall für die Wiener Chefinspektorin Alma Oberkofler. Die Ausgangslage ist so dramatisch wie aktuell: Oberkofler wird Augenzeugin als ein schwarzer SUV in das jüdische Restaurant von Amon Cohen rast, eine Explosion verursacht und sowohl Cohen als auch eine Servierkraft, den gefürchteten Journalisten Sebastian Schmuck sowie einen vorerst Unbekannten tötet. Der Fahrer des SUV kommt ebenfalls ums Leben. Eine syrische Küchenhilfe überlebt dank Oberkoflers Eingreifen schwer verletzt. Sofort ist von einem Terroranschlag die Rede, von Ausländerfeindlichkeit und Antisemitismus. Als dann Albert Schlotterer, Sohn eines Wiener Bautycoons und bekennender Rechter, der sich in einer neuen Regierung Chancen auf einen einträglichen Posten erwartet, als Fahrer identifiziert wird, liegen im Innenministerium und dem Polizeipräsidium die Nerven blank. Schnell wird, noch bevor alle Ermittlungsergebnisse vorliegen, ein bedauerlicher Unfall bekannt gegeben. Man ist nicht daran interessiert, die wahren Hintergründe aufzuklären. Doch damit haben sie die Rechnung ohne Wirt, sprich Alma Oberkofler und ihrem Team gemacht. Gemeinsam mit der sehr diskreten Unterstützung eines Kollegen vom Verfassungsschutz ermittelt Oberkofler weiter. Was die Toten verbindet und dass, nicht immer alles so ist, wie es scheint, müsst ihr selbst lesen. Meine Meinung: Schon in "Freunderlwirtschaft" legt sich Alma Oberkofler mit ihren Vorgesetzten an, als es darum geht, ein Verbrechen im Dunstkreis der Politik, das vertuscht werden soll, aufzuklären. Auch diesmal müssen Alma und ihre neue Kollegin Nina Hämmerle fassungslos feststellen, dass ihre Ermittlungen nicht unbedingt im Sinn von Innenministerium und Polizeipräsidium liegen. Da kommt ihnen die Information, dass Amos Cohen seine Restaurantküche mit einer nicht genehmigte Gasflasche betrieben hat, gerade richtig - eine klassische Täter/Opfer-Umkehr. Wieder vermengt Petra Hartlieb in ihrem Krimi, der bis zur letzten Seite fesselt, politische Intrigen und aktuelle Tagesgeschehen. Dabei versucht sie ihre Leserschaft mit diversen Hinweisen aufs Glatteis zu führen. Die Auflösung mag für den einen oder anderen überraschend sein. Doch ich hatte recht bald einen Verdacht, wer oder was, die Ursache für den angeblichen Unfall des Schlotterers sein könnte. Und ja, meine Vermutung hat sich als richtig heraus gestellt. Zudem ist in der Familie Schlotterer nicht alles so, wie es in einer erzkonservativen, "ordentlichen" Familie zu sein hat. Das gibt auch Spielraum, eigene Ideen zu entwickeln. Hartliebs Charaktere sind lebendig gestaltet. Stets kann man ihre Beweggründe und Handlungen nachvollziehen. Ich mag Petra Hartliebs Schreibstil mit seinem feinen, aber subtilen Humor. Fazit:Gerne gebe ich diesem Wien-Krimi, der mich bestens unterhalten 5 Sterne und eine Leseempfehlung.