Cover & Klappentext
Das Cover spricht mich leider überhaupt nicht an, aber da es auf den Inhalt ankommt, fällt das für mich nicht ins Gewicht. Dafür ist es aufgrund der Farbgebung sehr auffallend.
Ich bin hier auf die Autorin aufmerksam geworden.
Der Klappentext wiederum hat mich schnell überzeugt. Zwar kann ich mit dystopischen Romanen normalerweise nicht viel anfangen kann, aber der Inhalt hat mich neugierig gemacht, weshalb ich nicht widerstehen konnte.
Meinung
Im Jahr 3067 ist von unserer bekannten Welt nur noch wenig übrig geblieben. Die neunzehnjährige Poet Graves wohnt in New Manhattan, der einzig verbliebenen Stadt, die etwas Schutz vor den gefährlichen Stürmen bietet.
Ihre Zukunft ist bereits vorbestimmt, ebenso das Studium an der Amery Academy. Dort ist es besonders wichtig, ihr Geheimnis, was sie das Leben kosten könnte, zu verheimlichen. Ausgerechnet der Außenseiter Rook, der außerhalb der Stadt lebt, kommt dahinter und hilft ihr. So lernt sie ihn besser kennen und muss sich eingestehen, dass in ihm weitaus mehr steckt als ihr beigebracht wurde.
Überwiegend aus der Sicht von Poet wird man durch das Geschehen geführt. Der Einstieg ist mir sehr leichtgefallen, weil mich die Story wie magisch angezogen hat. Zudem konnte ich sehr schnell eine Verbindung zu Poet aufbauen. Anfangs wirkt sie etwas zurückgenommen, was ich eher als lässig empfunden habe, zumindest nach außen hin. Ihre wahren Emotionen hat sie hinter eine Maske verbannt, wie schon seit Jahren. Erst später geht sie mehr aus sich heraus, sodass sie greifbarer wird.
Im Verlauf der Geschichte hat sie mich mehrfach von sich überzeugt. Sie ist bereit, Risiken einzugehen, für ihre Überzeugungen einzustehen und ihren Traum zu leben, anstatt den sicheren Pfad einzuschlagen. Auch dann, wenn sie strauchelt. Das ist beeindruckend.
Neben ihr gibt es einige Nebencharaktere, die eine gute Präsenz mitbringen, sodass sie nicht ohne Weiteres untergehen. Eine wichtige Rolle nimmt Rook ein, der Außenseiter, der von allen misstrauisch beäugt und teilweise angefeindet wird. Seine in sich ruhende Art und sein Selbstbewusstsein trotz der Schwierigkeiten zeigen seinen starken Charakter. Natürlich hat auch er gelernt, eine Maske zu tragen, um seine Schwächen zu verbergen.
Der Fokus liegt klar auf Poet und Rook. Ihr langsames Herantasten, bis so etwas wie Vertrauen und Zuneigung entstehen, wurde schön umgesetzt. Immer unterbrochen von tödlichen Prüfungen, die beide bestreiten müssen, sowie den Schwierigkeiten innerhalb der Academy. So sind in meinen Augen keinerlei Längen entstanden. Unter anderem aufgrund der Themen, die die Autorin gewählt hat. Ich habe mich in einigen Situationen an die eigene Vergangenheit erinnert, weshalb es mich zusätzlich berührt hat.
Teilweise ging es recht brutal her, was mich persönlich nicht gestört hat, aber für Zartbesaitete unter Umständen zu heftig sein könnte. Deshalb empfehle ich zuvor die unter Content Note am Ende des Buches befindliche Triggerwarnung zu lesen.
Für mich wurde immer das richtige Maß zwischen Spannung und Gefühl gewählt, sodass auch Schlüsselszenen gut zur Geltung kamen, was für eine gute Unterhaltung essentiell ist.
Nicht zuletzt hat dafür auch der Schreibstil gesorgt. Da Nisha J. Tuli für mich keine Unbekannte ist, wusste ich, worauf ich mich diesbezüglich einließ. Sie hat ein Gespür für die richtige Wortwahl und schöne Satzkonstruktionen, sodass man geschmeidig durch die Seiten gleitet und sich komplett auf den Inhalt konzentrieren kann.
Obwohl ich wie erwähnt dystopische Romane eher meide, hat mich dieser für sich eingenommen. Bedingt durch die herausragend ausgearbeiteten Charakteren und der erdachten Welt wird man schnell in die Handlung gesogen, die nicht einfach nur unterhält, sondern Tiefgründigkeit und Vielfalt mitbringt.
Das Ende ist ein Fall für sich. Es gibt sicherlich sehr extreme Cliffhanger. Hier ist es weniger schlimm, unter anderem wegen der Zusatzkapitel. Das ist auch gar nicht notwendig, denn die Story muss nicht auf diese Art die Leser bei der Stange halten.
Ich kann die Fortsetzung kaum erwarten.
Fazit
Ein Ausnahmeroman, der mit einer interessanten Idee, starken Hauptprotagonisten und einem fabelhaften Schreibstil brilliert, kombiniert mit einer Vielzahl von Emotionen und überraschenden Wendungen.
Ich vergebe seltene fünf von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.