Cover & Klappentext
Das Cover ist schlichtweg ein Eye-Catcher. Die Details kombiniert mit der Farbgebung wecken sofort das Interesse auf die Story. Und obwohl ich Totenköpfen auf einem Cover normalerweise nicht viel abverlangen kann, passt es hier.
Der Klappentext hat meine Neugier noch verstärkt, weil diese Geschichte eine Art Schneewittchen-Nacherzählung ist, nur viel, viel düsterer. Wer kann da schon widerstehen?
Meinung
Vor neun Jahren ist Eshe Diallos alles genommen worden. Seitdem plant sie ihre Rache an ihrer Tante, die sich unrechtmäßig zur Königin (Oba) der Mwuaji gemacht hat. Abena zwingt Eshe zu handeln, als sie Huntsman auf ihre Nichte ansetzt den gefährlichsten Killer der Bostoner Unterwelt. Malachi versagt nie. Bis jetzt. Denn dieser Mann ist Eshes Obsession und sie seine Schwäche.
Das Geschehen wird von drei, aber eigentlich zwei Sichtweisen erzählt, wobei Eshe dabei im Fokus steht.
Am Anfang hatte ich meine Schwierigkeiten mit der Geschichte. Eshe war mir zu unzugänglich, zu nüchtern, was durch den Schreibstil noch verstärkt wurde. Dazu kommt, dass es ziemlich heftig zur Sache geht. Die Autorin mag es direkt. Und genau so schreibt sie auch. Sie beschönigt nichts und neigt zu plastischen Beschreibungen. Die Story ist also nichts für Zartbesaitete.
Mich stört das weniger, im Gegenteil. Allerdings hier noch zu behaupten, die Hauptakteure wären unter Morally Gray einzuordnen, ist gewagt.
Mit Eshe musste ich erst warm werden, aber es hat sich definitiv gelohnt, dranzubleiben. Denn sie überzeugt mit ihrer sarkastisch-witzigen Seite. Sie liefert sich regelmäßig hitzige Diskussionen mit Malachy, wobei sie deutlich mehr redet als er. Vorausgesetzt er bekommt die Zähne überhaupt auseinander. Sie lässt Stalking wie ein Hobby aussehen und bringt jemanden um, ohne mit der Wimper zu zucken. Gleichzeitig hat sie aber auch eine weiche Seite. Ihre vermeintliche Schwäche sind ihre Sieben. Niemandem vertraut sie mehr als diesen jungen Frauen.
Huntsman hingegen ist äußerst wortkarg. Obwohl seine Sicht ebenfalls vorkommt, lernt man ihn nur schwer kennen, allerdings muss ich zugeben, dass es da auch nicht allzu viel gibt. Er ist recht einfach gestrickt. Als Auftragskiller hat er sich einen Namen gemacht. Er stellt keine Fragen, sondern erledigt den Job. Andere Personen in seinem Leben sieht er als Schwäche, bedingt durch seine Vergangenheit.
Die Handlung ist im Grunde einfach erzählt, aber sie besitzt etwas Besonderes. Eshes Art sorgt dafür, dass die scharfen Kanten etwas abgeschliffen werden. Auch die plastischen Szenen verlieren dank ihr etwas an Schrecken. Dennoch bleibt es insgesamt heftig.
Ehrlich gesagt bin ich hin- und hergerissen. Einerseits hat die Story was an sich, was mich angesprochen hat. Andererseits war ich oftmals irritiert.
Ganz zu Beginn war ich mir sicher, dass dieser Roman nichts für mich ist. Einige Seiten später war ich begeistert, dann wieder verwirrt. Es war ein permanentes Auf und Ab. Und nun, da ich fertig bin, bin ich schlichtweg ratlos.
Zusammengefasst bietet die Geschichte einiges an Spannung, tiefer gehende Emotionen blieben im Großen und Ganzen auf der Strecke, wenn man von einer ordentlichen Portion Humor absieht. Das Tempo war nicht immer ideal gewählt. Dennoch kam es zu wenigen Längen. Überraschende Wendungen fanden sich kaum. Die Umschwünge, die genutzt wurden, wirkten in meinen Augen zu konstruiert.
Und trotzdem fühle ich mich nicht schlecht unterhalten.
Aus Huntsman: Sie ist eine geladene Waffe. Er drückt den Abzug. (Hunted Kingdom 1) von Naima Simone:
Eshe über sich: Grenzen, Gesundheit, angemessenes Verhalten scheiß drauf!
Das trifft Eshe ziemlich gut.
Fazit
Ein äußerst brutales Retelling von Schneewittchen, das sich mit erbarmungslos beschreiben lässt. Obwohl alles nach Düster schreit, gibt es einiges zu lachen, was im extremen Widerspruch zu den plastischen Szenen steht.
Wer auf seichte Unterhaltung hofft, ist hier definitiv falsch. Mord, Spice und Rache geben sich hier die Klinke in die Hand.
Ich vergebe drei von fünf Sternen und eine Leseempfehlung.