Fesselndes Porträt einer Frau, die keine Muse sein wollte, sondern die Kunstwelt gegen alle Widerstände revolutionierte.
Als ich anfing, Mona Horncastles Biografie über Peggy Guggenheim zu lesen, hatte ich das Bild einer exzentrischen Erbin im Kopf, die sich mit Hunden und berühmten Malern in Venedig umgab. Doch was Horncastle hier entfaltet, ist weit mehr als das Klischee der "armen reichen Peggy". Es ist die Geschichte einer radikalen Befreiung - einer Frau, die gegen die starren Konventionen ihrer wohlhabenden jüdischen Herkunft und den übermächtigen Schatten ihres Onkels Solomon aufbegehrte, um sich ihre eigene Welt zu erschaffen.Besonders beeindruckt hat mich die Art und Weise, wie die Autorin Peggys fast obsessive Hingabe zur Kunst schildert. In einer Zeit, in der die Welt im Chaos des Zweiten Weltkriegs versank, kaufte Peggy in Paris fast täglich ein Kunstwerk, während andere bereits die Flucht planten. Horncastle macht diesen Mut zum Risiko spürbar und zeigt auf, dass Guggenheim weit mehr war als nur eine Frau mit einem Scheckbuch: Sie war eine Visionärin mit einem untrüglichen Instinkt für das Neue.Was dieses Buch für mich so lesenswert macht, ist die ungeschönte Ehrlichkeit. Horncastle beschönigt weder Peggys oft tragische und komplizierte Männerwahl - von Jackson Pollock bis Max Ernst - noch ihren bisweilen schwierigen Charakter oder ihre emotionale Distanz als Mutter. Dadurch wird Peggy Guggenheim als historische Figur menschlich und nahbar, statt auf einem Sockel zu thronen. Der Schreibstil ist dabei angenehm sachlich, ohne trocken zu wirken, und lässt die verschiedenen Stationen ihres Lebens - vom New York der Jahrhundertwende über das wilde Paris bis hin zu ihrem Palazzo in Venedig - lebendig werden.Am Ende bleibt das Bild einer Frau zurück, die keine Muse sein wollte, sondern die Macherin der Moderne war. Peggy Guggenheim war eine Frau der Extreme: im Privaten oft einsam und sparsam bis zum Geiz, in der Förderung der Kunst jedoch von einer grenzenlosen Großzügigkeit. Mona Horncastle ist eine wunderbare Biografie gelungen, die zeigt, dass hinter der schillernden Fassade der "Dogaressa" eine zutiefst komplexe und mutige Persönlichkeit steckte. Eine absolute Empfehlung für jeden, der sich für die Kunst des 20. Jahrhunderts und starke, unangepasste Lebenswege interessiert.