The Show must go on
Renée Ballard ist Cop mit Leib und Seele. Seit sie allerdings einem vorgesetzten Lieutenant öffentlich die Hölle heiß gemacht hat, als er sie sexuell bedrängt und belästigt hat, muss Ballard ausschließlich Nachtschichten schieben. Dass ihrem damaligen Chef weiter keine Konsequenzen aus seinem Handeln entstanden sind, hat sie eher weniger überrascht. Und mit der Zeit hat sich Ballard nicht nur daran gewöhnt, sie mag die "Late Show", wie die Nachtschicht intern genannt wird. Das Praktische ist, dass sie am frühen Morgen die Fälle der entsprechenden Abteilung weiterschieben kann, die sich dann darum kümmern müssen. Manche Fälle lassen sie aber nicht los. Und in diesem Roman sind es eine Schießerei in einem Club und eine schwere Körperverletzung. Renée verbeißt sich in diese beiden Fälle, gewillt, die Schuldigen zu finden. Als sie feststellt, dass in einem der beiden Fälle ein Cop involviert sein könnte, wird es für sie selbst auch noch richitig gefährlich.Was ist nicht alles von Michael Connelly verfilmt worden? Ballard, Bosch, Der Lincoln Lawyer, usw. Da muss ja was dran sein. Und so hab ich mich in den ersten Fall von Renée Ballard gestürzt, die im zweiten Band Harry Bosch als kongenialen Partner an die Seite gestellt bekommt. Aber auch alleine weiß sich Ballard gegen alle Widrigkeiten des Justizalltages und der internen Querelen durchzusetzen. Allein, aber nicht einsam, hat sie einen recht durchstrukturierten Tag, zu wenig Schlaf und teils sehr aufregende Nächte. Als Leser ist das dieses "Mit dabei Gefühl", das dieses Buch so fesselnd macht. Der Copalltag. Man bekommt einen sehr guten Eindruck, dass Ballard sich oft an Regeln, Vorschriften und Gesetzen nicht nur die Zähne ausbeißt, sondern man penibel darauf achten muss, was man wie macht, um am Ende als Opfer nicht auch noch ein wenig Täter zu werden. So verrückt sich das auch anhört. Ich hab mir auf gut Glück alle im Moment verfügbaren 6 Bände von Ballard/Bosch gekauft, ohne zu diesem Zeitpunkt auch nur eine Zeile des ersten Bands gelesen zu haben. Aber manchmal hat man so ein Gefühl, dass einem was taugen wird, ohne dass man das wirklich begründen kann. Und ich weiß jetzt, dass ich da richtig lag. Das war nicht nur spannend, das war informativ, super gut erzählt und macht defintiv Lust auf mehr.