Seit Miss Brooks von Ehemann Hamish verlassen wurde, lebt sie in Wien. Gerade hat die Britin über ihre Freundin, die Fernsehmoderatorin Stanzi Körbler, ein spannendes Jobangebot erhalten. Als Make-up-Artist bei der Castingshow "FFF Fabelhafte Frauen über Fünfzig" soll sie die Teilnehmerinnen verschönern. Das Finale findet auf dem Flusskreuzfahrtschiff "MS Franzl" statt. Die Top-Five-Finalistinnen schippern auf der Donau von Wien nach Budapest und zurück. Miss Brooks ist begeistert vom neuen Job. Allerdings hat sie nicht damit gerechnet, während der Kreuzfahrt ihre erste Leiche zu sehen. Jetzt fragt sie sich, warum die Hairstylistin Kim Park tot ist.
Die britische Neu-Wienerin Miss Brooks ermittelt bereits in ihrem zweiten Fall. Martina Parker hat mit ihrer sympathischen Amateurdetektivin den Ermittler-Kosmos angenehm erweitert. "Miss Verständnis" hat mich spannend unterhalten und ist auch für Quereinsteiger geeignet.
Obwohl die Polizei von einem Suizid ausgeht, glauben Miss Brooks und ihre Freundinnen, dass Kim ermordet wurde. Dem Produzenten der Show, Horst Kriechbaum, ist das egal. Für ihn zählt nur, dass schnell wieder gedreht wird. Die Visagistin beginnt zu ermitteln, während die Sendung nach einer kurzen Unterbrechung weiterläuft. Die Recherche der Hobbydetektivin fördert Erstaunliches zutage. Produzent Kriechbaum und Sponsor Trés Loué opfern alles für die Gunst der Zuschauer. Hier könnte ein Motiv für den Tod der Hairstylistin liegen. Oder steckt etwas Anderes dahinter? Miss Brooks hat ihre Zweifel. Ein zweiter Todesfall, dieses Mal eindeutig ein Mord, bringt alle Theorien ins Wanken.
Miss Brooks ist eine sehr sympathische Protagonistin. Noch leidet sie unter dem Scheitern ihrer Ehe nach dreißig Jahren, aber allmählich ist sie bereit für einen Neubeginn. Die Britin ist eine gute Beobachterin, empathisch, intelligent und kreativ. Ihre Freundinnen Stanzi und die Journalistin Katja unterstützen sie nach Kräften. Der "schöne" Edi, Miss Brooks Verehrer und Ober in ihrem bevorzugten Beisl, ist für den Wiener Schmäh zuständig. Auch die knurrige Kommissarin Rita Baumgartner verfügt über diesen speziellen Charme.
Ich liebe Wien, seine Kaffeehäuser, die Beisl und den Schmäh. Genauso wie Martina Parker. Die Autorin und Journalistin bringt beste Voraussetzungen für ihre neue Krimireihe mit und sie ist Österreicherin. So gelingt es ihr mühelos, reichlich Lokalkolorit einzufangen. Nützlich finde ich, dass am Kapitelende die jeweils verwendeten österreichischen Begriffe übersetzt werden. Mein momentaner Favorit? Lachwurzen. Der Vergleich österreichischer und britischer Sitten bereitet ebenfalls Vergnügen. Stichwort Sauna. Und dank Miss Brooks weiß ich jetzt, dass pinkfarbener Lippenstift die Zähne gelblich aussehen lässt. Auch ernste Themen wie Castingshows, Ageism, Quotenkeule und #MeeToo kommen zur Sprache und werden realistisch behandelt.
Neben Wiener Flair und viel Humor kommt der Fall nicht zu kurz und für Spannung ist ebenfalls gesorgt. Miss Brooks' Beobachtungen erweisen sich als nützlich für die Polizei. Nach einigen Wendungen und viel Recherche kann das Verbrechen aufgeklärt werden. Der Fall ist spannend, da eigentlich fast jeder der Beteiligten ein Motiv für die Tat hat. Auch die Einblicke in die Szene sind aufschlussreich.
Unsere britisch-österreichische Spürnase arrangiert sich immer besser mit ihrer Wahlheimat, auch dank Edi und Kater Toffeeburli. Ich bin gespannt auf den nächsten Fall, der sie erwartet. Miss Brooks und ihre Fälle kann ich jedem empfehlen, der Cosy Crime mit Lokalkolorit schätzt.
4,5 Sterne