Interessante Idee mit oberflächlicher Umsetzung. Es hätte deutlich mehr Seiten für die Tiefe benötigt.
Die Welt der nordischen Götter, eine Prophezeiung und eine zukünftige Heldin ¿ was möchte man mehr? Leider vieles, wenn ich ehrlich bin. Das Buch dreht sich um Ray, die leidenschaftliche Sängerin mit Lampenfieber ist, und ihr zweites (glaube ich jedenfalls) Studium abbrechen muss, da sie eine Klausur im Drittversuch vermasselt hat. Ich hatte das Gefühl, dass sie mir als nahbar und sympathisch verkauft werden sollte. Das hat nicht so ganz funktioniert. Auch wenn sie eine junge Studentin sein sollte, hat sie sich nicht so verhalten. Ohne das Hintergrundwissen hätte ich sie vielleicht auf sechzehn geschätzt, da sie übereilt und impulsiv handelt, Stimmungsschwankungen hat und teilweise wirklich sehr realitätsfern ist. Natürlich kann sie unreif sein, aber dann sollte es vielleicht ein paar mehr Konsequenzen dafür geben. Das Mädchen hat keinerlei Überlebenssinn und deutlich mehr Glück als Verstand. Natürlich gibt es auch einen Typen, in diesem Fall einen Gott namens Tyr. Eigentlich recht sympathisch und eigentlich auf der Suche nach ihr, um sie seinem Vater Odin auszuliefern. Er wird von Ray um den Finger verwickelt, sodass er ihr am Ende doch hilft. Ach und er verliebt sich in sie. Die Gefühle (von beiden) erschienen mir zu schnell und unbegründet. Vielleicht eher so Liebe auf den ersten Kontakt. Ein Crush, vielleicht. Thor gibt es auch, immerhin reden wir über nordische Mythologie. Der ist dumm? Ich weiß nicht, wie ich ihn anders beschreiben soll. Bis zum Ende mochte ich ihn nicht. Kára ist die einzige Freundin, die Ray hat. Sie ist eine Walküre, die Ray helfen will, die Prophezeiung zu erfüllen. Also möchte sie Ray dabei unterstützen, einen Eisriesen zu töten, damit die bekannte Welt der Götter in ihren Grundfesten erschüttert wird. Kára ist cool, interessant und die einzige Person, deren Beweggründe für mich Sinn ergeben. Mein absoluter Liebling!Loki hat natürlich auch seine Auftritte als Gott der List. Bei ihm weiß man die ganze Zeit nicht, ob er für oder gegen Ray arbeitet, was ihn zum spannendsten Aspekt des Buches macht. Versteht mich bitte nicht falsch. Alle Charaktere waren im ersten Moment interessant, aber es hat ihnen an Tiefe gefehlt. Das attribuiere ich der Länge oder besser gesagt Kürze des Buches. Auf knapp 300 Seiten kann nicht die Storyline, die Hintergründe und die Charaktere tiefgreifend behandeln, sodass vieles auf der Strecke liegen bleibt. Ray hat beispielsweise ein komplizierteres Verhältnis zu ihrer Schwester, was immer wieder erwähnt wird, mich aber gar nicht wirklich mitfühlen lassen kann, da häufig nichts Konkretes geliefert wird. Zudem wurde mir ständig gesagt, dass Wesen und Situation gefährlich sind, aber sie wirkten nie wirklich gefährlich, da Ray eben sehr viel Glück hatte. Das Buch war leicht und schnell zu lesen und hat auch irgendwie Spaß gemacht. Vermutlich weil man nicht viel mitdenken musste und das Thema der nordischen Mythologie doch sehr interessant war. Ich habe auch während des Lesens wirklich viel gelernt. Insgesamt kann ich sagen, dass ich vermutlich zu alt für das Buch bin. Junge Teenager hätte sicher mehr Spaß und würden weniger erwarten. Nichtsdestotrotz war es gute Unterhaltung auch meiner Bahnfahrt.