Hier werden menschliche Erfahrungen zu schicksalhaften Entwicklungen, die nach einer Lösung rufen ¿
Nicht erst seit gestern ist bekannt, dass wir nicht eine einzige Persönlichkeit verkörpern, sondern deren gleich mehrere. Der Fachbegriff hierfür lautet "multiple Persönlichkeiten", gelegentlich wird auch von unterschiedlichen "Ich-en" gesprochen. Daher ist der Titel des Buches "Der andere Arthur" klug gewählt. Wie stark das persönliche Aussehen nicht nur zu einem ganz spezifischen Verhalten führt, sondern auch tiefe Spuren im psychischen Bereich hinterlässt, wird in diesem lesenswerten Roman von Liz Moore geschildert. Hier ist es ein kaum vorstellbares Körpergewicht, das einen der Protagonisten dieses Romans, Arthur (I), leiden und hoffen lässt - auch wenn die Scham über das resignative Verschlingen von unglaublichen Mengen an Nahrungsmitteln groß ist und von einem hoffnungslosen Fall sprechen lässt. Wobei allerdings immer noch ein Funken Selbstwert glimmt: "Irgendwie fühle ich mich wie in einem großen Futteral, als wäre ich ein Cello oder ein teures Gewehr." Es sind sie starken Gegensätze der Figuren, und deren In-Szenesetzung, die diesen Roman zu einem außergewöhnlichen Kunstwerk machen. Man leidet und hofft zugleich mit dem schwergewichtigen Arthur, man findet sich wieder in dessen Einsamkeit und schwelender wie aufbrechender Liebe. Wohl wissend, dass eine Umsetzung alles andere als einfach ist. Und da gibt es den "zweiten" Arthur, "Kel", der junge sportlichen Arthur, am Beginn einer Karriere als Basketballer, ausgebremst von einer alkoholkranken Mutter, die allerdings das Bindeglied zwischen den beides Arthurs bildet. Einsamkeit und Überforderung, geglättet durch Liebesbande, dominieren diesen Roman und lassen mitfühlen und mitfiebern; man möchte, dass diese Geschichten gut ausgehen. Meisterhaft werden die Bemühungen der jungen Yolanda geschildert, die als Hauswirtschafterin eingestellt, den schwergewichtigen Arthur dazu bringt, nach langer Zeit das Haus zu verlassen. Ohnehin sind es diese feinen Töne, die das "Gute im Menschen" hervortreten lassen. Auch wenn Scham und Hadern ein verqueres Wechselspiel eigegangen sind, so wird doch die Sehnsucht, dazuzugehören, einen Halt zu haben bzw. zu finden, eine Sicherheit, die trägt zur Triebfeder, die schließlich glauben lässt, dass sich alles irgendwie zum Guten wenden wird.(16.9.2026)