Zauberhafte, aber realistische Fortsetzung der Familiengeschichte Dennon
Lia Scott hat die Familiengeschichte der Familie Dennon weitererzählt und nun ist es Archie Dennon , der sich nach dem ersten Weltkrieg wieder zurecht finden muss. Er leitet das Pub in Foxgirth, seiner schottischen Heimatgemeinde, und seine Zwillingsschwester Blaire brennt Whisky in einer kleinen Kapelle. Durch den Whisky und die kommende Prohibition in Amerika macht Archie gute Geschäfte und lässt auch die Bewohner seiner Heimatgemeinde daran teilhaben. Es ist schmutziges Geld, das er verdient und das ihn hart macht, sodass er kaum mit seinen Gefühlen umgehen kann bzw. es nicht wagt sie sich einzugestehen. Denn der Krieg hat vielen Wunden bei ihm hinerlassen, die ihn prägen und ihn oft ungerecht machen.Auch Vika, die mit ihrer Schwester Shona bei ihm im Pub arbeitet, bekommt oft seine üble Laune ab. Aber das stört sie nicht, denn sie ist schon lange heimlich n ihn verliebt. Ihr Sohn Arch ist ihre einzige Freude, obwohl sie ihn oft mühsam ernähren und bekleiden kann. Ihre Schwester Shona hilft ihr oft dabei, aber da sie als Prostituierte im Pub arbeitet, widerstrebt es Vika, Shonas Geld anzunehmen. Obwohl sie ihren Sohn nach Archie benannt hat, ist er dennoch nicht der Vater, aber er liebt ihn trotzdem. Dieser wiederum entdeckt doch seine Gefühle zu Vika und sie verbringen eine zauberhafte Nacht miteinander. Als jedoch Arch am nächsten Tag entführt wird, zeigt Archie sein brutales Gesicht, um das Kind zu befreien. Gekränkt packt Vika ihre Sachen und ihren Sohn zusammen und zieht nach Glasgow, um dort ihr Glück zu finden, was gar nicht so leicht ist. In einer Wäscherei findet sie eine Freundin, zu der sie später ziehen muss, da ihre Tante, bei der sie bis jetzt Unterschlupf gefunden hat, sie hinauswirft. Aber sie findet in der Malerei Trost und sogar ein Einkommen, das ihr Leben erträglich macht.Archie zieht in der Zwischenzeit sein Whiskygeschäft auf und wird immer übellauniger, da er Vika vermisst. In Gesprächen mit Shona und seiner Schwester Bonnie beginnt er zu begreifen, was er Vika angetan hat und reist schlussendlich nach Glasgow, um Vika heimzuholen. Ob ihm das gelingen wird, ist fraglich, denn Vika ist sehr verletzt und hütet noch dazu ein grosses Geheimnis.Es ist schön, der Familie Dennon wieder zu begegnen, und obwohl der Fokus auf der Liebesgeschichte zwischen Vika und Archie liegt, zeigt er dennoch ein historisch korrektes Bild der Armut in Schottland nach dem ersten Weltkrieg. Die Rolle der Frau wird dabei ausgiebig dargestellt, ebenso die tristen Lebensumstände in Glasgow und auch auf dem Land. Aber es wird auch beschrieben, wieviel Kraft und Mut die Frauen brauchen, um aus ihren Traditionen und Vorurteilen auszubrechen, um etwas Neues anzufangen und Geld zu verdienen. Am Beispiel von Shona, sieht man das besonders, als sie ihrem Job als Prostituierte aufgibt, um jungen Mädchen das Nähen und das Schneidern beizubringen. Archie wird dadurch immer sympathischer, da er Geschäftssinn zeigt und sich ständig neue Möglichkeiten ausdenkt, um das Leben aller in Foxgirth erträglicher zu machen und den Menschen Wohlstand zu bringen - auch mit den unlauteren Mitteln des Whiskyhandels. Das ist das Schöne, dass er nicht ganz schwarz oder weiß gezeichnet wird. Im Gegenteil , Lia Scott beschreibt ihre Hauptdarsteller*innen mit viel Einfühlungsvermögen, Sympathie, aber auch Humor. Schottlands neuere Geschichte wird durch ihren flüssigen Schreibstil lebendig, realistisch und farbenfroh dargestellte, sodass es ein Vergnügen ist, den Roman zu lesen!