Solider Thriller des Krimi-Erfolgsautors Richard Brandes unter neuem Namen
Der Autor ist vielseitig. Unter dem Namen Richard Brandes schreibt es eine tolle Regiokrimireihe aus Brandenburg um die Kommissarin Christa Stach. Einen Namen hat er sich auch als Drehbuchautor für Fernsehproduktionen gemacht. Dabei ist er hauptberuflich Psychotherapeut. Nun hat er seinen ersten Thriller vorgelegt, diesmal unter dem Namen Leo Brandt. Das Buch trägt den Namen DAS GEHÖFT und spielt auf einer seit längerem unbewohnten Hallig. Westeroog, so der Name der fiktiven Marschinsel, ist der letzte Außenposten im nordfriesischen Wattenmeer. Dahinter kommt nur noch die offene See. Zudem trennt ein lebensgefährlicher Priel diesen Ort von der Außenwelt ab, den man nur per Schiff überwinden kann. Das Cover, passt hervorragend zum Setting passt. Düster liegt ein einsames Gehöft umgeben vom tosenden Meer. Die abgeschlossene Lage wirkt bedrohlich. Sehr gut gewählt für eine Closed-Circle-Story. Abgeschlossener als auf einer Hallig geht es kaum! Unterstützt wird dieses Gefühl noch durch den Untertitel: Dieser Ort lässt dich nicht gehen. Schon bin ich mitten im Thriller!Bereits der Prolog, in dem eine Frau vor einem gewalttätigen Mann flüchtet, stimmt auf die Geschichte ein, auch wenn zunächst nicht klar ist, wie dieses Ereignis mit dem Geschehen in Verbindung steht. Auf jeden Fall ein spannender Einstieg.Hauptsächlich handelt DAS GEHÖFT von einer Freundesclique, die sich auf Norderoog niederlassen will. Im Mittelpunkt steht Lara, eine Biologin, die sich hier unter anderem dem Naturschutz widmen will. Hinzu kommen ihr Freund Henry sowie das befreundete Pärchen Silke und Kenan. Silke ist Ärztin, Kenan und Henry betreiben zusammen eine IT-Firma. Und dann ist da noch Laras Bruder Malte, ein Asperger-Autist, der für Kenan und Henry arbeitet. Zugegebenermaßen hat mich etwas irritiert, dass sich IT-Spezialisten auf eine Hallig begeben, in der das Internet keine Selbstverständlichkeit ist. Lediglich Laras Motivation war mir erklärlich, aber das verbuche ich unter dichterischer Freiheit. Ziemlich schnell geraten die fünf in in die erwartbare Situation einer Sturmflut. Doch nicht nur draußen spitzt sich die Lage zu, auch innerhalb der kleinen Gemeinschaft brodelt es. Nach einem schlimmen Streit verschwindet Laras Bruder spurlos, und zugleich auch das einzige Boot. Auch die Internetverbindung bricht ab, so dass die Gruppe auf sich allein gestellt ist. Und schnell wird aus dem vertrauten Freundeskreis eine brüchige Gemeinschaft. Misstrauen greift um sich und zudem ist Lara sich sicher, dass sie nicht alleine auf der Insel sind.Leo Brandt gelingt es, die Spannung nach und nach zu steigern und dann den Spannungsbogen hoch zu halten. Er schreibt sehr bildhaft, woran man den Drehbuchautor erkennen kann. Alles in allem ein solider Thriller, den ich mit vier Sternen bewerte. ¿¿¿¿