Jørgen Jæger hat einen Schreibstil, der mir ausgesprochen gut gefällt. Er hält sich nicht mit seitenlangen Beschreibungen auf, sondern kommt auf den Punkt. Die Kapitel sind teilweise angenehm kurz, zwischendurch auch mal etwas länger, und die Geschichte liest sich wunderbar flüssig. Die Spannung ist von Anfang an da und hat mich auch im weiteren Verlauf nicht losgelassen.
Besonders gut gefallen mir die Ermittler, die mir allesamt sehr sympathisch sind. Auch der Aufbau der Geschichte hat mich überrascht. Während ich zunächst dachte, dass sich die im Klappentext beschriebene Bedrohung wie ein roter Faden durch das gesamte Buch ziehen würde, entwickelt sich die Handlung irgendwann in eine andere Richtung. Das hat mich zunächst etwas gewundert, tut der Spannung aber keinen Abbruch. Im Gegenteil, Jæger versteht es, immer wieder neue Entwicklungen einzubauen, die neugierig machen.
Einen Punkt gibt es allerdings, der mich während des Lesens zunehmend gestört hat. Immer wieder werden vergangene Ereignisse angesprochen, persönliche Entwicklungen angedeutet oder Dinge vorausgesetzt, bei denen ich das Gefühl hatte, irgendetwas verpasst zu haben. Irgendwann war ich so irritiert, dass ich selbst recherchiert habe. Und siehe da: Eiskalte Monster ist im norwegischen Original tatsächlich bereits der achte Band einer Reihe um Ole Vik und Cecilie Hopen!
Warum sich der deutsche Verlag entschieden hat, ausgerechnet mit diesem Band einzusteigen und ihn als Band 1 einer neuen Reihe zu veröffentlichen, erschließt sich mir überhaupt nicht. Gerade bei Krimireihen möchte ich die Ermittler kennenlernen, ihre Entwicklung miterleben und verstehen, was sie in der Vergangenheit geprägt hat. Hier hatte ich immer wieder das Gefühl, dass alle Beteiligten wissen, wovon die Rede ist, nur ich als Leserin nicht. Das finde ich extrem schade, zumal ich nach diesem Buch davon ausgehe, dass auch die sieben Vorgänger lesenswert gewesen wären.
Natürlich kann ich das dem Autor und seiner Geschichte nicht anlasten. Trotzdem beeinflusst es mein persönliches Leseerlebnis, und deshalb sind es für mich vier statt fünf Sterne geworden.
Eines steht aber fest: Jørgen Jæger hat mich mit seinem Schreibstil überzeugt. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung und werde mir auch den nächsten in Deutschland erscheinenden Band kaufen. Nur hätte ich die Ermittler wirklich gerne von Anfang an begleitet.