Cover & Klappentext
Das Cover spiegelt toll das Buch wider. Und zwar in erster Linie auf der Gefühlsebene. Auch die Darstellung passt. Mir ist es sofort ins Auge gefallen.
Der Klappentext verspricht ein komplexes Fantasy-Werk in einem rasanten Tempo mit einem Spannungsschwerpunkt.
Meinung
Seit Jahrhunderten herrscht zwischen Nachtelfen und Menschen eine unüberwindbare Feindschaft so tief wie die Sternenkluft, die beide Länder voneinander trennt. Als sich daraus eine Bedrohung für das Land erhebt, gehen die menschliche Heerführerin Zelie und der Nachtelf Aries unabhängig voneinander der Sache nach. Dabei treffen sie sich immer wieder und beschließen, sich auf einen Waffenstillstand zu einigen. Schließlich wollen beide das Gleiche.
Irgendwann können sie die Anziehungskraft zwischen ihnen nicht mehr verleugnen, doch können sie einander auch vertrauen?
Überwiegend mit dem Schwerpunkt auf Zelie und Aries wird man durch das Geschehen geführt, wobei der Einstieg sehr ansprechend ist. Die Autorin hat eine angenehme Art, ihre Welt zu beschreiben. Dabei wird der Schreibstil in den Fokus gerückt, der auf gute Formulierungen setzt. Deshalb hatte ich anfangs den Eindruck, der Schreibstil wäre ein wenig kantig, nicht unmittelbar geschmeidig. Allerdings waren die Ecken abgeschliffen, sodass der Text dennoch flüssig war. Sehr ungewöhnlich, aber ansprechend.
Leider leidet das Tempo aufgrund dieser Art, Dinge zu beschreiben. Es war häufig sehr zurückhaltend. Das eignet sich hervorragend bei Schlüsselszenen, sonst bremst es eher aus. Dafür rückt es, abgesehen von der Spannung, andere Emotionen mehr nach vorne. Und das kann die Geschichte gebrauchen. Sie besticht zu Beginn durch Düsternis, aber es braucht auch Licht. Und die findet man in dem Romantasy-Teil.
Zelie und Aries haben mir es am Anfang nicht leicht gemacht, eine Verbindung zu ihnen herzustellen. So wurden sie kreiert. Das war definitiv gewollt. Und dank des außergewöhnlichen Schreibstils und der interessanten Welt ist das auch zu verschmerzen. Ich brauchte eine Weile, um mit beiden warm zu werden. Dennoch erkennt man schnell, dass man sie nicht komplett durchschauen kann. Damit setzt die Autorin neben diversen Spannungsspitzen, die den Inhalt nicht nur voranbringen, sondern ihm auch die erforderliche Unterhaltung verleihen, zusätzliche Details, die die Story zu etwas Besonderem machen.
Die beiden Hauptprotagonisten können letztendlich überzeugen, wobei man bei ihnen immer wieder Punkte findet, mit denen man sich identifiziert. Ich kann nach Band eins nicht sagen, wem ich mehr zugetan bin. Das Verständnis liegt aktuell auf beiden Seiten. Erstaunlich.
Ihre Annäherung ging langsam vonstatten. Alles andere hätte auch nicht gepasst, schließlich kann eine so lange Feindschaft nicht von Heute auf Morgen beendet beziehungsweise überwunden werden. Und trotz der beginnenden Zuneigung heißt das noch lange nicht, dass man sich gegenseitig vertraut. Hier sind die leisen Töne schön herausgearbeitet worden.
Insgesamt konnte der erste Band von Make Me Your Villain mit meiner erstaunlich hohen Erwartungshaltung mithalten, denn die Story ist tatsächlich so komplex und originell wie angenommen. Dazu kommen erstaunliche Protagonisten, die zum Teil sehr eigen sind, sodass ihre Entwicklung umso beeindruckender ist. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung, bedenkt man das Ende.
Fazit
Die Autorin gibt hier ihr Verlagsdebüt, was sich keineswegs zu verstecken braucht. Ganz im Gegenteil. Wer Enemies to Lovers-Romantasy mag, bei der die Spannung im Vordergrund steht und der romantische Anteil eher dezent mitwirkt, zumindest meiner Meinung nach, der ist hier definitiv richtig.
Die Story braucht vielleicht ein wenig, um einen komplett mitzureißen, aber es lohnt sich dranzubleiben.
Ich vergebe vier von fünf Sternen und eine klare Leseempfehlung.