Extrem schräg & langwierig, aber dank Murakamis Stil und dem meisterhaften Ende doch faszinierend. Schwer zu empfehlen, aber unvergesslich!
Buch: Mister AufziehvogelVon Beginn an war dieses Buch für mich eine ständige Gratwanderung: Mehr als einmal stand ich kurz davor, das Buch abzubrechen, weil die Handlung so bizarr, langwierig und streckenweise schlicht unverständlich schien. Und doch entwickelte die Geschichte immer wieder einen ganz eigenen, unentrinnbaren Sog, der mich weitertreiben ließ.Ein meisterhafter Schreibstil und historische GänsehautWas das Buch von der ersten bis zur letzten Seite trägt, ist der herausragende Schreibstil von Haruki Murakami. Es war ungemein spannend, in eine in Japan angesiedelte Welt einzutauchen - auch wenn die japanischen Namen für mich sehr gewöhnungsbedürftig und schwer zu merken waren. Besonders im Gedächtnis bleiben die historischen Rückblenden in den Zweiten Weltkrieg und die Mandschurei. Die berüchtigte Szene rund um das Häuten hat mir echte Gänsehaut beschert und zeigt, wie eindringlich und schrecklich schön Murakami schreiben kann.Eine Welt voller Konstruktion und MetaphernMan muss sich darauf einlassen, dass die Handlung stark konstruiert wirkt und sich fast durchgehend wie eine einzige, große Metapher liest. Man tastet sich durch Traumwelten, Brunnen und merkwürdige Begegnungen. Besonders schräg - und auf eine seltsame Weise intim - war für mich persönlich, dass ich mich überraschend stark mit der Figur der Kumiko identifizieren konnte.Das Ende rettet die SterneBis etwa 60 Seiten vor Schluss schwankte meine Bewertung zwischen 1 und maximal 2 Sternen. Zu oft war ich kurz davor aufzugeben. Doch Murakami versteht es meisterhaft, ein Finale zu komponieren: Auf seine ganz eigene, mystische Art fügen sich am Ende die Fäden zusammen und lösen vieles auf.FazitDer Aufziehvogelist ein spektakulär zusammengesetztes, absolut außergewöhnliches Buch. Ob ich es weiterempfehlen würde? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht - wie könnte ich jemand anderem dieses langwierige, bizarren Leseabenteuer guten Gewissens zumuten? Und ob ich jemals wieder einen Murakami anrühre? Keine Ahnung. Aber eine gewisse, unbestreitbare Faszination bleibt zurück.